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 Feuilleton
17.06.2013

In Farbe und bunt

Eine Ausstellung der Sammlung Prinzhorn zeigt die Kunst von Louis Marcussen

Ovartacis "Floating Women". / Bilder: Museum Ovartaci, Aarhus/Dänemark.

Oberidiot. Das ist der Titel der aktuellen Ausstellung im Museum Sammlung Prinzhorn. Wenigstens ist es der j√ľtl√§ndische Ursprung des K√ľnstlernamen Ovartaci, den sich der D√§ne Louis Marcussen w√§hrend seiner Schaffenszeit im vergangen Jahrhundert gab.

Noch bis zum 4. August werden seine Werke zum Thema Transformation und Reinkarnation im Gebäude der Psychiatrischen Klinik Heidelberg zu sehen sein. Themen, die Ovartaci in 56 Jahren als Insasse psychiatrischer Anstalten beschäftigten.

Die Menge reptilienartiger Frauenk√∂rper und femininer Tierportraits l√§sst erahnen, wie stark er die Weiblichkeit bewunderte. Seine weiblichen Figuren wirken fabul√∂s bis g√∂ttlich und offenbaren, was der Wunsch, sein Geschlecht zu √§ndern, f√ľr Ovartaci bedeutete. 

Die Ausstellung gl√§nzt durch die N√§he, die sie zwischen Ovartacis Leben, seinen Phantasien und den Besuchern bringt. Selbst der intime Moment, in dem er sich den Wunsch, eine Frau zu sein, erf√ľllt, hat sich in Leinwand gesogen. "My liberation day" zeigt eine Frau mit Hammer und Mei√üel.

Unter dem Titel "Transformation und Rollenspiel  ‚Äď Werke von Ovartaci und andere queere Kunst" greift die Ausstellung auch die Vorstellung anderer K√ľnstler zu Geschlechtlichkeit auf. Allerdings wirken die Werke bei schwachem Licht und dunklen Dielen bedr√ľckend, fast bedrohlich. Wer Pink und Popmusik erwartet, wird entt√§uscht.
Queer ist √ľbrigens kein Rechtschreibfehler, sondern benennt die Anfang der 90er Jahre in den USA entstandene Theorie, derzufolge geschlechtliche Identit√§t nicht angeboren sei.

In diesem Sinne zeigen die Werke der Ausstellung die Vielfalt von Sexualität und illustrieren die Kritik an der gängigen Einteilung in männlich und weiblich oder homo- und heterosexuell.

Wenn feminine Gesichter mit markantem Schnurrbart den Beobachter fragen lassen: Was denn nun? So m√ľsste die Antwort im Sinne der Queer-Theorie lauten: Beides, alles, nichts.

von Henrik Hirschberg
   

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