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 Heidelberg
11.12.2006

Dreimal 20 Jahre jung

Deutsch-Amerikanisches Institut feiert 60. Geburtstag

„What the hell are you doing there?!?“ bekamen sie schon das ein oder andere Mal zu hören. Doch dies konnte sie nicht davon abhalten weiterzumachen. Und nun gibt es auch noch einen Grund zu feiern: Die Rede ist vom Deutsch-Amerikanischen Institut in Heidelberg, das dieses Jahr auf stolze sechzig Jahre zurückblicken kann.

„What the hell are you doing there?!?“ bekamen sie schon das ein oder andere Mal zu hören. Doch dies konnte sie nicht davon abhalten weiterzumachen. Und nun gibt es auch noch einen Grund zu feiern: Die Rede ist vom Deutsch-Amerikanischen Institut in Heidelberg, das dieses Jahr auf stolze sechzig Jahre zurückblicken kann.

Für manche mag bei dieser Zahl das Leben erst anfangen, doch das sei beim DAI, das in der Sofienstraße beheimatet ist, ganz und gar nicht der Fall, betont Jakob Kollhöfer, der Programmleiter und Direktor des Instituts. Vielmehr verjünge sich das Haus mit jedem Jahr. „Man könnte sagen, wir werden zwei mal dreißig, oder noch besser: drei mal zwanzig Jahre alt“, schmunzelt der Herr des Hauses. Diese beständige Verjüngung vollziehe sich täglich, führt er weiter aus, denn „wir können es uns nicht leisten, alte Heuler zu thematisieren. Wir sind der Innovation und den längerfristigen Fragen verpflichtet.“

Dabei stehe die Neugier im Mittelpunkt und auch eine große Portion Mut. Denn wenn man den interkulturellen Dialog fördern will, sei es wichtig, kritische Themen anzusprechen, auch solche, die bisher großzügig vermieden wurden. Ob Irakkrieg, Klimawandel oder Stammzellenforschung – kein Thema wird ausgelassen. Doch nicht nur Politik steht auf dem Programm: Dichter, Musiker und Literaten finden ebenso eine Plattform. Viele Leute sollen zu Wort kommen, fordert Kollhöfer, „aber keinesfalls nur die Gelée Royale, sondern alle, die uns im Alltag begegnen.“ So werde das Haus zu einer besonders gut funktionierenden Antenne, zu einer Synapse, die Leute verbindet, die vorher nie in Kontakt waren, Theorien verknüpft und bisher unüberbrückbar erscheinende Zeiträume zusammenzieht.

Im Profilieren von Berührungspunkten in einem immer anderen Spannungsverhältnis kann Neues entdeckt und längerfristig dazu beigetragen werden, Konflikte zu mildern. Diese Konflikte bezögen sich jedoch nicht nur auf Deutschland und Amerika, stellt Kollhöfer klar. Das D in DAI sei in einem europäischen Kontext zu sehen, das A aber in einem globalen. Dieses Spannungsverhältnis beinhalte allerdings auch Kritik, die „kurzatmig und mächtig“ das Institut hinterfrage. Doch gerade die Kritik sei als Veredelung der Motor zur Verjüngung, stellt der Direktor fest. Mit diesem Ansporn kann er als selbsternannte „Rossnatur“ das DAI führen. Dieser Charakterzug scheint nötig zu sein: Arbeiteten einst dreißig Personen am Institut, sind nun sechs Leute die „Mädchen für alles“.

Und so trägt die Feierstimmung zum Jahrestag auch ein trauriges Moment in sich: Es fehlt immer mehr an der elementaren Grundausstattung. Es wird schwieriger, zahlreiche Projekte, die das Institut neben seinem Programm bietet, wie zum Beispiel eine Sprach- und Kinderschule, eine Bibliothek und eine enge Zusammenarbeit mit der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), zu realisieren. So bleiben am Ende viel Fleiß und wenig Unterstützung. Heidelberg ohne das DAI sei zwar inzwischen undenkbar, dennoch fehle es am Bewusstsein, dass auch das DAI dem „lebendigen Geist über Gebühr dient“, so Kollhöfer. Kurz gesagt: Es mangelt an Investitionen.

Allerdings wird ein Haus, das schon dreimal zwanzig Jahre gemeistert hat, sich von Sorgen dieser Art nicht beirren lassen und so auch weiterhin ausschließlich einem Credo Geltung beimessen: Feed your Brain!

von Luisa Meisel
   

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