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 Hochschule
11.12.2006

DĂŒrfen die das?

Teil 5: Wie steht es um die Rechte von Praktikanten?

UrsprĂŒnglich als Chance fĂŒr SchĂŒler und Studenten gedacht, um in Berufe reinschnuppern zu können, sind sie in letzter Zeit zum Synonym fĂŒr moderne Sklavenarbeit geworden: Praktika. Wie sieht es aber tatsĂ€chlich aus mit den Rechten von Praktikanten?

UrsprĂŒnglich als Chance fĂŒr SchĂŒler und Studenten gedacht, um in Berufe reinschnuppern zu können, sind sie in letzter Zeit zum Synonym fĂŒr moderne Sklavenarbeit geworden: Praktika. Wie sieht es aber tatsĂ€chlich aus mit den Rechten von Praktikanten?

Leider weisen die rechtlichen Rahmenbedingungen in diesem Bereich mehr LĂŒcken als Gesetze auf. „Die Gruppe der Praktikanten wurde lange vernachlĂ€ssigt“, sagt Jessica Heyser, Projektleiterin der DGB-Initiative „students at work“. Laut einer Definition des Bundesarbeitsgerichts vom 23. MĂ€rz 2003 gilt als Praktikant, wer „sich fĂŒr eine vorĂŒbergehende Dauer zwecks Erwerbs praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen TĂ€tigkeit und Ausbildung, die keine systematische Berufsausbildung darstellt, im Rahmen einer Gesamtausbildung unterzieht, weil er diese fĂŒr die Zulassung zum Studium oder Beruf, zu einer PrĂŒfung oder anderen Zwecken benötigt“ (6 AZR 564/01).

Was wie eine relativ detaillierte Beschreibung aussieht, lĂ€sst in der Praxis oft viel Spielraum fĂŒr Interpretationen. So ist die „vorĂŒbergehende Dauer“ nicht genau eingegrenzt. Vor allem die PraktikumsvertrĂ€ge von Hochschulabsolventen werden oft halbjĂ€hrlich verlĂ€ngert, mit der Aussicht, nach weiteren sechs Monaten vielleicht eine Festanstellung zu bekommen. Ein Anspruch auf Festanstellung besteht allerdings nicht, lediglich die Möglichkeit, das Praktikum auf die Probezeit anzurechnen. Die tĂ€gliche Arbeitszeit ist außerdem ebenso wenig gesetzlich festgelegt.

Das Praktikum ist als ein LernverhĂ€ltnis gedacht. Wer also nur zum Kaffeekochen, Kopieren und EintĂŒten von Briefen eingesetzt wird, auch nachdem er sich darĂŒber beim Chef beschwert hat, sollte sich ĂŒberlegen, ob er das Praktikum nicht lieber vorzeitig abbricht. Rechtliche Schritte, etwa wegen einer EntschĂ€digung oder Lohnnachzahlung, empfiehlt Heyser nicht. Die Erfolgsaussichten seien zu gering. Anders sieht es im umgekehrten Fall aus. FĂŒr Praktikanten, die de facto die Arbeit eines Festangestellten verrichten, stehen die Chancen gut, auf dem Klageweg eine Lohnnachzahlung zu erhalten. GrundsĂ€tzlich gilt aber: Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, Praktikanten zu bezahlen.

Prominente Beispiele einer solchen GratisbeschĂ€ftigung finden sich ausgerechnet im Deutschen Bundestag, wo die meisten Praktikanten am Ende des Praktikums bestenfalls ein kleines Geschenk erhalten. Auch die Bundesministerien zahlen meist nichts. Verschiedene Stimmen in der Politik kĂŒndigen an, Praktikanten besser vor Ausbeutung zu schĂŒtzen.

Weitere Infos unter:
www.generation-praktikum.de
www.studentsatwork.org

von Marcel Bertsch
   

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