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 Hochschule
11.12.2006

Safer Gruscheln?

StudiVZ wächst trotz Sicherheitsmängeln

Durch ständige Ausfälle zog sich das „Studiverzeichnis“, die bedeutendste Online-Plattform für Studenten, seit langem den Missmut der Benutzer zu. Die jüngste Stilllegung von über fünf Tagen stand jedoch nicht im Zeichen der üblichen Wartungsarbeiten: Das StudiVZ hatte gravierende Sicherheitsmängel zu beheben.

Durch ständige Ausfälle zog sich das „Studiverzeichnis“, die bedeutendste Online-Plattform für Studenten, seit langem den Missmut der Benutzer zu. Die jüngste Stilllegung von über fünf Tagen stand jedoch nicht im Zeichen der üblichen Wartungsarbeiten: Das StudiVZ hatte gravierende Sicherheitsmängel zu beheben.

Die Internet-Gerüchteküche brodelte. Fast täglich hatten Online-Medien in den letzten Wochen über einfach zu knackende Passwörter und unzureichenden Schutz der Benutzerprofile berichtet. Nun haben die Macher des „StudiVZ“ die Konsequenzen gezogen und eine Sicherheitsfirma mit der Überarbeitung des Datenschutzes beauftragt.

Was zunächst wie eine kleine Panne wirkt, schlägt indessen höhere Wellen. So warnt der AStA der Freien Universität Berlin öffentlich vor der Nutzung der Studentenplattform: „Ich empfehle jedem Benutzer, sein Profil zu löschen oder Fotos und private Daten aus dem Netz zu nehmen“, so die AStA-Referentin für Datenschutz Melanie Guba. Sogar der Berliner Datenschutzbeauftragte hat das „StudiVZ“ mittlerweile ins Visier genommen. Man überprüfe das Angebot zur Zeit auf Sicherheitsmängel, heißt es aus der Behörde.

Die Verantwortlichen zeigen sich derweil schuldbewusst: „Wir haben Fehler gemacht. Es gab Sicherheitslücken und die werden jetzt behoben“, räumt der 28-jährige Mitgesellschafter Dario Suter dem ruprecht gegenüber ein: „Uns wurde aber auch viel Falsches unterstellt. Niemand konnte geschützte Profile einsehen.“ Eine gewisse Unprofessio­nalität lässt sich das „StudiVZ“-Team dennoch vorwerfen. Man sei vom immensen Wachstum der Communitiy gleichsam überrannt worden, so Suter, und habe die Sicherheitsanforderungen nicht schnell genug anpassen können.

Tatsächlich hat das Verzeichnis ein rasante Entwicklung hinter sich: Vor einem Jahr als kleines Projekt zweier Studenten gestartet, zählt es mittlerweile über eine Million Mitglieder und beschäftigt fünfzig Mitarbeiter. Dabei hat sich am Unternehmensaufbau nicht viel geändert: Das VZ wird von einer Handvoll Studienfreunde geleitet – die nun den Ernst des Wirtschaftslebens kennenlernen.

Prof. Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Münster sieht darin das Hauptproblem: „Anstatt Verantwortung zu übernehmen, haben die Jungs ihr Projekt als verlängerten Arm studentischer Leichtfertigkeit gesehen.“

Das VZ war zuvor durch organisierte Stalking-Attacken auf Benutzerinnen in die Kritik geraten. Ungefragt zur „Miss StudiVZ“ gewählt, erhielten die Opfer mehrere hundert Nachrichten von fremden Männern – innerhalb weniger Minuten. Selbst StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani rückte sein Unternehmen in ein schlechtes Licht, als er eine Geburtstagseinladung im Stil des NSDAP-Parteiorgans „Völkischer Beobachter“ auf der Seite verlinkte. „Ehssan hat zu diesem Zeitpunkt noch unterschätzt, dass er eine Person des öffentlichen Interesses geworden ist. Er entschuldigt sich für diesen Spaß“, so Suter zu den Vorwürfen.

Ungeachtet dessen steigt die Nutzerzahl weiter. Neuberger erklärt sich das mit fehlendem Bewusstsein für die eigene Privatsphäre: „Ich verstehe nicht, wie leichtfertig junge Menschen der ganzen Welt eröffnen, was sie in jedem persönlichen Gespräch zurückhalten würden.“ Auch Lufthansa-Aufsichtsratsmitglied und „Payback“-Datenschutzbeauftragter Jürgen Weber warnt vor allzu freizügiger Selbstdarstellung im Netz: „Dass Personalchefs Internetauftritte von Bewerbern auf politische Äußerungen oder Charakterindizien untersuchen, ist realistisch.“
Bei allen Rückschlägen halten die Gesellschafter-Freunde am Ziel fest: Wie das US-Vorbild „Facebook“ soll das VZ eine ähnliche Bedeutung wie E-Mail oder SMS bekommen.

Damit persönliche Belästigungen und Sicherheitslücken bald der Vergangenheit angehören, wird derzeit mit den Benutzern ein Verhaltenskodex für die Plattform erarbeitet und jeder entdeckte Sicherheitsmangel mit 256 Euro prämiert.

Dario Suter sieht die Zukunft als Reifeprozess: „Wir waren etwas naiv. Jetzt sind wir dabei, erwachsen zu werden.“

von Beate Brehm
   

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