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 Hochschule
17.07.2007

500 Euro später

Bestimmen wir wirklich ĂĽber die GebĂĽhren?

Die Studiengebühren haben die Studienbedingungen zum Teil verbessert. Doch die Studentenvertreter kritisieren, dass manche Instituten die Mitbestimmung bei der Gebührenverteilung aushebeln. In einigen Fächern dürfen die Studenten zwar mitreden, entscheiden jedoch nur die Professoren.

Die Studiengebühren ermöglichen zwar vielerorts erträglichere Studienbedingungen, Verbesserungsbedarf sehen Studentenvertreter dennoch. Mancherorts an der Ruperto Carola stehe es nämlich schlecht um die studentische Mitbestimmung bei der Gebührenverteilung.




Beim Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudium verfĂĽgten Lehrende ĂĽber das Geld der Studenten

„Probleme gibt es zum Beispiel beim Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudium (EPG) für Lehramtsstudenten“, hieß es von Mitgliedern der Fachschaftskonferenz (FSK). Zwar haben die Studenten auch hier ein Vorschlagsrecht bei der Verwendung der Campusmaut. Beim EPG verfügten in diesem Semester jedoch die Lehrkörper der Historiker und Theologen über die Verwendung der Gebühren – im Einvernehmen mit der EPG-Koordinationsstelle.

„Das lag an den fehlenden Vorgaben von Senat und Rektorat“, begründete EPG-Koordinator Frank Martin Brunn. Dass verbindliche Regelungen fehlten, fiel den Studentenvertretern im Senat schon früh auf: „Seit letztem Dezember machten wir auf das Problem aufmerksam, wurden vom Rektorat jedoch strikt ignoriert“, erklärte ein Beteiligter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Als die GebĂĽhrengelder dann kurz vor dem Sommersemester da waren, versuchten die EPG-Koordinatoren gemeinsam mit der Prorektorin fĂĽr Studium und Lehre, Silke Leopold, ein Verfahren zu improvisieren. Sie luden Studierendenvertreter zu einem Treffen ein.

Während EPG-Koordinatoren und Prorektorin diese Zusammenkunft heute als „provisorische Kommission” bezeichnen, sprechen die beteiligten Studierenden von einem „unverbindlichen Gespräch“. „Wir wussten vorher überhaupt nicht, dass dort Entscheidungen getroffen werden sollen“, erklärte ein Beteiligter. Zudem seien statt studentischer Vorschläge nur Vorhaben der Lehrkörper Thema gewesen. Da dies keine eingesetzte Kommission mit Vorschlagsrecht zur Gebührenverteilung war, sahen sich die studentischen Teilnehmer außerdem nicht abstimmungsbefugt.

Als sie aus diesen Gründen ihre Zustimmung verweigerten, „wurde Druck auf uns ausgeübt“, erzählten mehrere der involvierten Studenten. Letztendlich wurden beim EPG die Vorschläge der Lehrenden von Historischem Seminar und Theologischer Fakultät umgesetzt.

 

Wurden mit den GebĂĽhren fĂĽr das EPG Forschungen bezahlt?

„Professor Löwe finanziert mit dem Geld eine Stelle an seinem Seminar fĂĽr Osteuropäische Geschichte (SOG)“,  mutmaĂźen einige FSK-Mitglieder. Denn der in der “provisorischen Kommission” besprochene Vorschlag sieht die Besetzung der EPG-Stelle mit einer Dozentin vor, die dem SOG angehört.

Löwe, der diese Einrichtung leitet, setzte dies als Dekan der Philosophischen Fakultät durch. Auf Anfrage versichert er: „Ich habe keinen Einfluss auf den Entscheidungsprozess genommen, sondern nur die Vorschläge der provisorischen Kommission umgesetzt.“ Außerdem befasse sich die geschaffene Stelle ausschließlich mit EPG-Aufgaben, wie auch Brunn bestätigt.

Aus Sicht von FSK-Mitgliedern werden von dieser Stelle allerdings zu wenige EPG-Lehrveranstal­tungen angeboten. Für sie sieht es daher so aus, als würde mit den EPG-Studiengebühren Forschung am SOG bezahlt. Dabei seien die Gelder doch eigentlich zur Ausbildung der Lehramtsstudenten bestimmt.

Ab kommendem Semester soll es eine Regelung für die Verwendung der EPG-Studiengebühren geben. Der Senat setzt voraussichtlich ab September eine Unterkommission ein. Diese soll ein Vorschlagsrecht für die Verwendung der Mittel bekommen und sich mehrheitlich aus Studierendenvertretern zusammensetzen. „Wir hoffen, dass bis dahin die studentische Mitbestimmung nicht wieder umgangen wird“, so ein Sprecher der Fachschafts-Konferenz.


In einigen Fällen mußten die Studenten ihr Mitwirkungsrecht erst gegen die Insititutsleitung durchsetzen

Auch in den beratenden Kommissionen zur Verwendung der Studiengebühren auf Fächerebene kam es mancherorts zu beträchtlichen Reibungen. In einigen Fächern mussten sich die studentischen Kommissionsmitglieder ihre Anerkennung bei der Institutsleitung erst erkämpfen.

Die Slavisten durften anfangs nur über Vorlagen der Professoren abstimmen. Hintergrundangaben zu Kosten und bisherigen Haushalten des Instituts wurden ihnen zunächst verweigert. Mittlerweile sind sie aber zufrieden mit der Zusammenarbeit, wie Eva Thillman von der Fachschaft Slavistik versichert.

Die Psychologieprofessoren verhandelten studentische Vorschläge, die ihren eigenen Plänen widersprachen, nicht, wie vom Heidelberger Verteilungsmodell vorgesehen, in der beratenden Kommission. Vielmehr brachten sie Alternativvorschläge im Fakultätsrat ein, von denen die studentischen Kommissionsmitglieder erst kurz vorher erfuhren. Mittlerweise haben sich aber auch dort die Wogen geglättet.

Ausgerechnet aus der Kommission der Politikwissenschaftler – eigentlich Experten für demokratische Verfahren – traten zwei Studierende aus, weil die Zusammenarbeit mit der Institutsleitung nicht möglich gewesen sei. Die Streitpunkte konnten hier jedoch auch ausgeräumt werden.

Es scheint, als müssten sich manche Professoren erst einmal daran gewöhnen, dass die Studierenden jetzt die Lehre aktiv inhaltlich mitgestalten können.

von Christoph Stawenow
   

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