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13.11.2007

Geld fĂŒr Akteure statt fĂŒr Töpfe

Rektor Bernhard Eitel fordert FlexibilitÀt und weniger Strukturdenken

Seit 1. Oktober ist der Geograph Bernhard Eitel Rektor. Knapp drei Wochen spĂ€ter feierten er und VorgĂ€nger Hommelhoff den Titelgewinn. Viel beschĂ€ftigt mit der Umsetzung des Zukunftskonzepts, nahm Eitel sich die Zeit mit dem ruprecht ĂŒber Elite, StudiengebĂŒhren und seine „Agenda 2013“ zu reden.

Seit 1. Oktober ist der Geograph Bernhard Eitel Rektor. Knapp drei Wochen spĂ€ter feierten er und VorgĂ€nger Hommelhoff den Titelgewinn. Viel beschĂ€ftigt mit der Umsetzung des Zukunftskonzepts, nahm Eitel sich die Zeit mit dem ruprecht ĂŒber Elite, StudiengebĂŒhren und seine „Agenda 2013“ zu reden.



Bei der Feier zum Exzellenztitel forderten einige Studenten „SolidaritĂ€t statt Exzellenz“. Hat Sie das gestört?

Das hat mich nicht gestört. Es ist nur schade, dass diese Studenten nicht akzeptieren, dass die Gesetzeslage bei den StudiengebĂŒhren eben so ist. Ich kann ja auch nicht gegen Bachelor und Master vorgehen.

Sie haben also nichts gegen StudiengebĂŒhren?

Warum sollen die etwas besser Verdienenden fĂŒr das zusĂ€tzliche Bildungsangebot nicht bezahlen? Das Problem sind die HĂ€rtefĂ€lle, weil wir fast kein Stipendienwesen haben. Ich hĂ€tte aber auch kein Problem damit, dass auslĂ€ndische Studenten höhere GebĂŒhren bezahlen, weil die oft nur deshalb in Deutschland studieren, weil es hier so billig ist.

Also nicht wegen guter Studienbedingungen?

WÀre Harvard billiger, wÀren die dort. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir sind nicht schlecht, aber weltweit nicht die erste Wahl.

Schafft die Exzellenzinitiative nicht ein Zwei-Klassen-System?

Nein. Diese QualitĂ€tsunterschiede gab es schon immer. In den Geisteswissenschaften ist das nicht so extrem, weil sie da stĂ€rker von Köpfen abhĂ€ngig sind. Naturwissenschaftler aber sind extrem von der Infrastruktur abhĂ€ngig: Da geht die Schere weit auseinander. Wenn es um die Proteste gegen StudiengebĂŒhren geht, kommen die wenigsten aus dem Neuenheimer Feld, sondern fast alle aus der Neuphilologischen oder Philosophischen FakultĂ€t.

Woran liegt das?

Die Geisteswissenschaften sind unzufrieden und das zu Recht. Aber selbst wenn ich 100 Dozenten mehr einstelle, mĂŒsste Heidelberg im Gegenzug ein Vielfaches mehr an Studenten annehmen. Das schreibt das Land mit dem Curricular-Normwert vor. Die Unzufriedenheit ist zwar verstĂ€ndlich, aber ich kann daran nichts Ă€ndern, selbst wenn ich es wollte. Die Unzufriedenheit bleibt aber. Es stimmt ja nicht, dass alle Studenten unzufrieden sind. Die Biologie oder Geographie zum Beispiel haben vielfach blendende Studienbedingungen und – von den Geographen weiß ich – derzeit einen guten Arbeitsmarkt. Wenn wir jetzt den Numerus Clausus aufheben, wĂŒrden 2000 Studenten auf den Markt drĂ€ngen. Wir könnten 5000 Philosophen, Sinologen oder Papyrologen ausbilden, aber dann wird der Arbeitsmarkt extrem eng und nur wenige finden einen berufsbezogenen Arbeitsplatz. Überhaupt mĂŒssen wir da flexibel und nicht in Strukturen denken.

Was heißt flexibel?

Das beginnt schon bei der Finanzierung. Wenn ich 100 000 Euro fest aufteile, hat jeder am Ende nur 100 Euro ĂŒbrig. Dann beklagen sich alle, weil sie damit kein Personal einstellen und keine GerĂ€te kaufen können. Wenn ich das Geld akteursbezogen verteile, sagt jeder, was er braucht, und man kommt gemeinsam zu der Entscheidung, was finanziert wird. Da bekommt der eine dann zum Beispiel 10 000 Euro, dann ist erst einmal fĂŒr ein Jahr Ruhe und danach kommt der nĂ€chste dran.

Laut Fachschaftskonferenz (FSK) gibt es bei der Mittelverteilung oft keinen Konsens.

In der FSK sitzen zumeist Studenten aus der Neuphilologischen und Philosophischen FakultÀt, nur ganz wenige aus dem Neuenheimer Feld. Die FSK hat zwar recht damit, dass es Probleme gibt, aber die gibt es auf beiden Seiten.

Welche Probleme sind das?

Als ich in der GebĂŒhrenverteilungskommission saß, mussten sich die Studierenden erst daran gewöhnen, dass es um sehr große Summen geht. Da wurden 50 Euro nach links und rechts verteilt und man wollte am liebsten wieder ganz viele Töpfchen einfĂŒhren, in die jedes Semester der prozentual gleiche Betrag kommt. Da können wir uns die Kommission sparen. Dieses „Töpfchendenken“ ist nicht sinnvoll!
Aber es gibt noch ein anderes Problem, und das heißt die GebĂŒhren ausschließlich fĂŒr die Lehre zu verwenden. Aber was machen sie mit einem Buch? DĂŒrfen das nur Studenten benutzen oder auch Doktoranden fĂŒr ihre Dissertation? Endet die Lehre beim Bachelor, Master oder am Ende der Doktorandenzeit? Das ist ebenfalls ein Konflikt, den wir lösen mĂŒssen.

Wo sehen Sie die VolluniversitÀt Heidelberg 2013?

Alle Cluster und Graduiertenschulen sind interdisziplinĂ€r angelegt. Das reicht von der ArchĂ€ologie ĂŒber die Geisteswissenschaften bis weit in die Naturwissenschaften und Medizin. Wir wollen damit erreichen, dass Altstadt und Neuenheimer Feld sich besser kennen lernen und voneinander lernen.

Die Agenda 2013 heißt also mehr Vernetzung?

Das ist zwar verkĂŒrzt dargestellt, aber ein ganz wesentlicher Punkt.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.

von Jenny Genzmer, Reinhard Lask, Ulrike Worlitz
   

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