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 Wissenschaft
13.11.2007

Prävention statt Therapie

Forschungsprojekt „Es[s]prit“ untersucht Essstörungen bei Studenten

Es[s]prit – so heißt das neue Online-Forschungsprojekt der Universität Heidelberg, das zur Prävention von Essstörungen beitragen soll. Ziel ist es, dass weniger Menschen erkranken oder sich Betroffene früher in Behandlung begeben.

Die Ergebnisse sollen über die Gründe einer Essstörung Aufschluss geben und aufzeigen, wie viel Zeit zwischen Gefährdung und tatsächlicher Erkrankung vergeht. Je nach Akzeptanz und Effektivität werden mit Hilfe des Programms in etwa zwei Jahren repräsentative Werte vorliegen. Wichtig: Das Projekt richtet sich an Personen, die ein Risiko für die Entwicklung einer Essstörung besitzen, aber noch nicht daran erkrankt sind. Es[s]prit will keine Therapie ersetzen. Zielgruppe seien Heidelberger Studierende, speziell Erstsemester, erklärt Dr. Stephanie Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts.

Die Tatsache, dass viele zum ersten Mal das Elternhaus verlassen, gilt als Risikofaktor. Die zuvor geregelten Essenszeiten werden nicht mehr eingehalten, es ergeben sich ungewohnte Stresssituationen oder Einsamkeit. Aber auch eine höhere Semesterzahl birgt Risiken: Leistungsdruck und Prüfungssituationen ziehen oft ein verändertes Essverhalten nach sich. Essstörungen sind Bauers Erfahrung nach immer noch ein Tabuthema: „In der Regel dauert es sehr lange, bis die Betroffenen realisieren, dass sie krank sind und professionelle Hilfe benötigen.“ Es[s]prit will das ändern und verhindern, dass Veränderungen im Essverhalten in einer krankhaften Essstörung enden. Früherkennung und Betreuung hält Bauer deshalb für besonders wichtig.

Rund 900 Frauen und Männer haben bislang den ersten Schritt im Online-Forum – das „Screening“ – absolviert. Dieser anonyme Selbsttest soll eine eventuelle Gefährdung feststellen. Der zweite Schritt, das ebenfalls anonyme Monitoring, wird nur denjenigen empfohlen, die in die Risikogruppe fallen. Hierfür muss man sich mit einer E-Mail-Adresse registrieren und erhält einmal wöchentlich einen Fragebogen zu den Themen Wohlbefinden und Essverhalten. Die Fragebögen zu beantworten dauert nur wenige Minuten. Die Rückmeldung macht selbst auf minimale Veränderungen aufmerksam und enthält Tipps die individuelle Situation zu verbessern.

Bisher nehmen 35 Nutzer am Monitoring teil. Rund 70 Prozent davon sind unter 27 Jahre alt. Das Es[s]prit-Konzept ist weltweit einzigartig. Zwar gibt es viele Online-Hilfsprogramme, jedoch sind diese in ihrer Funktionsweise eher starr. Es[s]prit hingegen passt sich dem individuellen Betreuungsbedarf an und definiert verschiedene Risikogruppen. „Für jeden sind andere Faktoren für eine Abweichung vom normalen Essverhalten ausschlaggebend“, betont Bauer. Deshalb müsse jeder Fall anders behandelt werden. Die Auswertungen von Screening und Monitoring werden automatisiert versandt, was eine Betreuung mit minimaler Intervention möglich macht.

Je nach Bedürfnis können sich die Teilnehmer über einen forumsinternen Chat beraten lassen. Der Einzel- oder Gruppenberatungs-Chat gibt Betroffenen die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen oder Probleme anzusprechen. Deshalb sind die Antworten des Monitoring für den Online-Berater über den gesamten Teilnahmezeitraum einsehbar. „Wenn es zu einer massiven Verschlechterung kommt, löst das Programm Alarm aus. Nur in so einem Fall wendet sich der Online-Berater unaufgefordert per E-Mail an den betroffenen Teilnehmer und schlägt einen Termin im Chat oder bei einer professionellen Anlaufstellen vor“, sagt Bauer. Das Projekt kooperiert unter anderem mit der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Universität.

Das Präventionsprogramm lässt sich bequem per Internet von zu Hause aus benutzen und ist dadurch ökonomisch sinnvoll: So können viel mehr Menschen erreicht werden, als bei einer Befragung auf dem Papier. Besonders Studenten, die einen Termin in einer Beratungsstelle in Anbetracht ihres vollen Stundenplans als zusätzliche Belastung auffassen, bevorzugen die flexible Handhabung.

von Ulrike Worlitz
   

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