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 Feuilleton
09.12.2008

Ein Löffel Wilhelm Busch

„Welt wie Brei“ im Friedrich 5-Theater

Zwei Männer in roten Feinripp-Overalls (Daniel Stock und Heiner Junghans) versuchen uns eine Welt wie Brei zu erklären. Eine Welt, wie Wilhelm Busch sie sah, von den Gedanken Michel Houellebecqs durchzogen.

Zwei Männer in roten Feinripp-Overalls (Daniel Stock und Heiner Junghans) versuchen uns eine Welt wie Brei zu erklären. Eine Welt, wie Wilhelm Busch sie sah, von den Gedanken Michel Houellebecqs durchzogen.

Die Jugend versteht gar nicht, wie glücklich sie ist, sie lebt in den Tag hinein, sie darf einfach alles, die Alten sind verpönt von der Gesellschaft, sie leben vor sich hin ohne Leidenschaft und wissen, dass alles Glück von kurzer Dauer ist.

Dies führen uns im Stück zwei kreischende, alte Frauen vor Augen. Die Magd der Frauen löffelt kokett Brei, als der Pfarrer voller Gier an sie heranschleicht. Der Pfarrer, eigentlich Hüter von Sitte und Frömmigkeit, wird hier zum nach jugendlichem Fleisch lechzenden Tier. Die Bigotterie und die amtstheologische Verlogenheit wird drastisch zur Schau gestellt, eine Milchschnitte dient als Leib Christi und den fleischlichen Bedürfnissen des Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Da muss schon mal der Pfarrer herhalten, um die Bedürfnisse einer verrückten Alten zu stillen.

Pietisten sollten das Stück nicht sehen. Trotz der melancholischen Texte bringt diese dreiviertel Stunde den Zuschauer zum Schmunzeln und man tritt hinaus in eine Welt, die wie Brei ist: Wenn man den Löffel herauszieht, schwappt darunter alles zusammen, als wäre nichts geschehen. Die nächste Aufführung ist am 11. Dezember um 20 Uhr.

von Seraphine Meya
   

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