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 Feuilleton
09.12.2008

Heulen und lachen

„Wenn Vater eine gute Grabrede hält, dann haben ihn die Leute gern, und wenn die Leute ihn gernhaben, dann hat er auch uns gern.“ Bittersüße Zeilen wie diese machen Erling Jepsens „Die Kunst, im Chor zu weinen“ zum tragikomischen Lesevergnügen.

„Wenn Vater eine gute Grabrede hält, dann haben ihn die Leute gern, und wenn die Leute ihn gernhaben, dann hat er auch uns gern.“ Bittersüße Zeilen wie diese sind es, die Erling Jepsens „Die Kunst, im Chor zu weinen“ zu einem tragikomischen Lesevergnügen der besonderen Art machen. Das Lachen bleibt einem dabei im Halse stecken: Denn die Geschichte um Inzest, Brandstiftung, Totschlag und Wahnsinn ist wahrlich keine leichte Kost.

Ertragbar – oder besser: anrührend und zugleich verteufelt amüsant – wird sie erst durch ihre ungewöhnliche Erzählperspektive: Der elfjährige Allan erläutert aus seinem treuherzigen Blickwinkel die Geschehnisse, die seine kleine Welt nach und nach auf den Kopf zu stellen drohen. Dabei behält er stets seine grenzenlose Solidarität gegenüber seinem Vater, so dass es ihm mit der Zeit immer schwerer fällt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Aus unschuldigen Kinderaugen schildert „Die Kunst im Chor zu weinen“ die Geschichte einer kaputten Familie: starker Tobak, zugleich unbeschwert in der Schilderung und fesselnd durch die verstörend-komische Diskrepanz zwischen Allans kindlicher Interpretation und dem tatsächlichen Geschehen. Diesen Roman legt man nicht mehr aus der Hand.



Erling Jepsen: „Die Kunst, im Chor zu weinen“, Suhrkamp, ISBN 3518460307, 12,90 Euro

von Lisa GrĂĽterich
   

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