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 Feuilleton
20.02.2008

Ungestreckte Hits und Schore fĂĽr die Ohren

Dynamite Deluxe zu Gast im Karlstorbahnhof

Das Konzert war schon vor Wochen ausverkauft. Kein Wunder, denn das neue Album „TNT“ von Dynamite Deluxe war kurz zuvor auf Platz fünf der Charts eingestiegen. Der Andrang war daher kaum verwunderlich.

Das Konzert war schon vor Wochen ausverkauft. Kein Wunder, denn das neue Album „TNT“ von Dynamite Deluxe war kurz zuvor auf Platz fünf der Charts eingestiegen. Der Andrang, um die Deluxe-Mitglieder Samy Deluxe, DJ Dynamite und Tropf nun auch live zu sehen, war daher kaum verwunderlich.

Acht Jahre sind seit Erscheinen des bekanntesten Longplayers „Deluxe Soundsystem" vergangen. Seitdem hat sich die deutsche Hip-Hop-Landschaft stark verändert. Mittlerweile bestimmen nicht mehr Hamburg und Stuttgart den Ton, sondern die Gangster von Aggro-Berlin. Doch statt dumpfer Gewaltverherrlichung gab es diesmal endlich wieder Rap-Skills vom Feinsten und das von „Deutschlands derbstem MC“. Den Auftakt bildete das Hip-Hop-Urgestein Torch an den Turntables. Zu den Old-School-Tracks der 80er gesellte sich auch Toni L auf die Bühne. Die beiden Heidelberger leisteten dabei ganze Arbeit. So war das Publikum bereits ordentlich warmgerockt, als Samy Deluxe an der Reihe war.

Vom ersten Takt der neuen Single „Dynamit“ hüpften die ersten Reihen im Karlstor was die Sneakers hergaben. Der Sound des neuen Albums ist glatter und amerikanischer, womit die Liebhaber der „alten Sachen“ weniger anfangen können. Aber auch die Oldschool-Fans kamen auf ihre Kosten: Ihre alten Hits wurden ebenso abgefeiert und mitgerappt wie die neuen Tracks. Technische Unterstützung für die Deluxer kam vom Frankfurter Stimmwunder D-Flame. Dieser gab ebenfalls seine Songs zum Besten, sein Dancehall-Reggae-Sound wurde ebenfalls frenetisch bejubelt. Hip-Hop non-stop also.

Gerade als sämtliche Baggy-Pants vom Dauerhüpfen völlig durchnässt waren und man dachte, dass keine Steigerung mehr möglich wäre, griff DJ Dynamite in die Techno-Schublade und zauberte die 90er-Bretter von „The Prodigy“ aus seiner Plattenkiste. Nur wenige schaffen es, ihre Reime zum Instrumental von „Firestarter“ mit doppelter Geschwindigkeit zu rappen und dabei verständlich zu bleiben. „Samsemilia“ ist einer davon.

Nur sozialkritische oder nachdenkliche Texte fehlten bei diesem Konzert völlig. Alles war darauf ausgelegt, das Publikum zu "rocken". Das allerdings gelang den Hamburgern. Gegen Ende folgte eine Respektbekundung von Samy Deluxe an den Karstorbahnhof: „Die Tour musste auf jeden Fall hierhin führen, weil ich hier Tropf am Mischpult immer in die Augen schauen kann“, meinte der Hamburger.

Es war ein Abend, der viele daran erinnert hat, dass sich guter Hip-Hop eben nicht über Gangster-Attitüden definiert, sondern über das Können eines MCs, seine Schlagfertigkeit und seine Fähigkeit, sich in Reimen auszudrücken.

von Phillip Rudolf
   

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