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 Feuilleton
26.02.2008

Ansteckender Irrsinn

Ein grandioses neues StĂĽck feiert im Heidelberger Zwinger-Theater Premiere

„Verzeihung, ihr Alten...“ erzählt den ungewöhnlich-gewöhnlichen Pflegeheimalltag und kommt dabei radikal ehrlich daher. Drei Pfleger, eine Heimleiterin, drei Gepflegte und ein Ein-Personen- Chor inszenieren den Mikrokosmos eines Pflegeheims.

Radikal ehrlich kommt die Geschichte daher. Das neue Stück am Heidelberger Theater „Verzeihung, ihr Alten, wo finde ich Zeit, Liebe und ansteckenden Irrsinn?“ erzählt ungewöhnlichen gewöhnlichen Pflegeheimalltag. Drei Pfleger, eine Heimleiterin, drei Gepflegte und ein Ein-Personen-Chor standen auf der Bühne und inszenierten den „Mikrokosmos eines Pflegeheims“.

Die Heimbewohner Don Otto und Biermann verbringen ihre Zeit mit dem Bau von Luftschlössern und Träumen einer goldenen Zukunft. Ihnen stehen als kongeniales Pendant die beiden Pfleger Walter (bekloppt) und Bernhard (Zyniker) gegenüber. Eigentlich sind die beiden eher die Pflegefälle, als Bierman und der Don. Nebenan zieht der idealistische junge Pfleger Valentin seine Bahnen und verliebt sich tragisch in die 81-jährige Heim-Kleptomanin Vera, grandios bunt in Szene gesetzt von Margarethe Geissler. Über allem steht wachend Frau Frauke. Die junge engagierte Heimleiterin lässt sich von den verrückten Ideen der Alten infizieren und schafft dabei mehr Chaos als Ordnung.

Unter der Oberfläche schwelt ein Brand, der viele deutscher Gemüter erhitzt: Alt und Jung verzehren sich, reiben sich auf und stoßen gegeneinander. Wie soll ein vergreisendes Land mit immer mehr alten Menschen umgehen? Werden bald 20 Millionen deutscher Rentner über das Schicksal immer weniger junger Menschen entscheiden? Und das demokratisch ganz legitim? Muss man der Jugend wieder Respekt vor dem Alter einbläuen - oder andersherum?

„Verzeihung, ihr Alten…“ glänzt bei all diesen Fragen nicht durch Lösungsvorschläge. Sein Glanz kommt von einer anderen Seite. Der surreale Klamauk auf der Bühne brachte das Publikum so oft zum Lachen, wie man es sonst höchstens im Kabarett erlebt. Dadurch entstand gleichermaßen Distanz und Nähe zum Thema und erzielte seinen ganz eigenen pädagogischen Effekt, falls das Stück es überhaupt beabsichtigte. Das endliche Scheitern des Generationentreffs im Pflegeheim, macht mehr Mut, weiterzumachen, als dass es zur Verzweiflung treibt. Womit? Mit Irrsinn.

Das StĂĽck begeisterte durch authentische Laiendarsteller, die allesamt eigens fĂĽr die Produktion gecastet waren und zum Teil das erste Mal auf der BĂĽhne standen. Alle acht wohnen ĂĽberdies in Heidelberg.

Regie: Matthias Huhn; BĂĽhne & KostĂĽme: Markus Karner; Dramaturgie: Katrin Spira
Mit: Ute Baggeröhr; Ute Bujard; Margarete Geissler; Karl Figge; Paul Grill; Dierk von Steldern; Holger Stockhaus; Frank Wiegard

von Paul Heesch
   

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