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 StudiLeben
01.07.2008

Jäger des versteckten Schatzes

GPS und Taschenlampe – Unterwegs mit einem „Geo-Cacher“

Der Weg wird steiler, von weitem ist Hufeklappern zu hören. Am Pfadrand blitzt es gelb auf: ein Feuersalamander. „Beim geo-caching muss man auf Außergewöhnliches achten“, erklärt Tim, der mit uns seinen 31. „Cache“ finden will.

Der Weg wird steiler, von weitem ist das Hufeklappern von Pferden zu hören. Am Rand des Pfades blitzt etwas gelb auf: ein Feuersalamander bewegt sich grazil auf dem Steinboden. „Beim geo-caching muss man auf Außergewöhnliches achten“, erklärt Tim, der mit uns seinen 31. „Cache“ finden will.

Geo-caching, das ist eine moderne Variante der Schnitzeljagd mit einem GPS-Gerät als Reiseführer. Der „Cache“ stellt das Ziel dar und ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, der Logbuch und Tauschgegenstände enthält. Jeder Finder trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Um ein solches Versteck zu finden, bedarf es einiger Spuren.

Auch wenn uns das Amphibientier keinen Hinweis auf den verborgenen Schatz gibt, ist eine aufmerksame Wahrnehmung sehr wichtig. Nachdem die Anfangskoordinaten aus dem Internet ins GPS-Gerät eingegeben wurden, folgen wir der vorgegebenen Richtung des elektronischen Begleiters: 547 Meter, Nord-Ost. Hier sollen wir den ersten Hinweis suchen – zwei dreistellige Zahlen, die als Nachkommastelle der Koordinaten dienen. Die Nummernschilder der Autos? Die Geburtsdaten auf den Gräbern am Friedhof?

Finde die Matrix

Im Gegensatz zu uns beiden Testpersonen hat Tim schon den richtigen Riecher. Auf der Rückseite eines Verkehrsschildes ist ein Aufkleber mit dem benötigten Code. Es gibt auch kompliziertere und kreativere Caches: Rätselaufgaben oder das Umformen römischer Zahlen werden von den Spurenlegern gern verwendet. Einige Touren drehen sich um ein bestimmtes Thema, wie „Kirchen in Heidelberg“ oder die „Matrix“-Trilogien.

Station Nummer zwei ist schwerer. Das mögliche Versteck, eine Parkbank, ist von zwei älteren Damen besetzt. Unauffälliges Suchen ist Grundregel des geo-cachings, da Uneingeweihte Hinweisschilder oder den Schatz entfernen könnten. Die Frauen bemerken jedoch nichts, wieder finden wir einen Aufkleber und die Jagd kann weitergehen. Als nächstes schlägt das GPS vor einer zirka 30 Meter breiten und fünf Meter hohen Steilwand aus. Hier soll eine Nummer versteckt sein? Unmöglich, die zu finden. Caching-Neuling Helen durchkämmt die Felsen von weitem nach Auffälligkeiten, ich schaue in Steinnischen. Ergebnislos. Bis Tim eine Höhle entdeckt: ein nahezu hundertprozentiger Treffer. Ganz versteckt liegt sie hinter einem Felsvorsprung.

580.000 caches weltweit

Jeder Spaziergänger wäre daran vorbei gelaufen. „Das ist sogar für fortgeschrittene Cacher ungewöhnlich“, meint der Physik- und Geologie-Student. Begeistert kramt er aus seiner Tasche ein wichtiges Caching-Utensil: eine Taschenlampe. Er hatte Recht, die dritten Koordinaten wären somit gefunden. Wir haben zwar keine Kletterausrüstung benötigt, oft wird es jedoch noch extremer. Im Meer, auf Autobahnen oder mitten in der Stadt wird man fündig. Manche Schätze kann man nur bei Nacht finden, weil an den einzelnen Hinweisen kleine Reflektoren befestigt sind. Andere Touren dauern Tage.

Entstanden ist geo-caching im Jahr 2000, nachdem US-Präsident Bill Clinton die GPS-Nutzung in vollem Umfang für zivile Zwecke freigegeben hat. In den USA gab es auch die erste Schnitzeljagd dieser Art – die Faszination des cachings verbreitet sich über Ländergrenzen hinweg. Mehr als 580.000 caches gibt es weltweit, in Deutschland sind es zirka 50.000, in Heidelberg und Umgebung etwa 20 Caches. Wie viele Menschen dieser Leidenschaft verfallen sind, kann keiner überblicken. Für einige von ihnen ist es mehr als nur ein Hobby. Sie planen den Urlaub danach oder suchen auf dem Weg zur Arbeit. So kommen viele auf eine Gesamtzahl von Funden im vierstelligen Bereich.

Perfekt getarnt - Schatz gefunden

Es geht tiefer in den Wald hinein. „Geo-Caching sollte von der Krankenkasse unterstützt werden. Es ist eine sportliche Betätigung in der Natur und macht wahnsinnig Spaß“, so Helen. Die letzten beiden Hinweise finden wir Neulinge im Alleingang. „Augen auf! Was nicht aussieht, als ob es da hingehört, ist verdächtig“, rät Tim immer wieder. Irgendwann steht auf dem GPS-Gerät „953 Meter zum final“ und zwar querfeldein. Tim öffnet wieder seine Tasche, holt einen Abenteurerhut und Zeckenschutzmittel heraus. Die Kopfbedeckung setzt er sich auf, die Lotion reicht er uns. Rundumversorgung.

Mitten im Gestrüpp halten wir Ausschau nach einem „Hexenhaus“, wie es in der Internet-Beschreibung stand. Es geht die Böschung hinab, wir müssen aufpassen, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Könnte das da hinten eine Hütte sein?“, fragt Tim. Perfekt getarnt im Braun des Waldbodens steht dort ein verwittertes Häuschen. Zielstrebig gehen wir auf eine ungewöhnliche Stelle zu – der Schatz ist gefunden. Während sich Profi Tim ins Logbuch einträgt, machen wir uns über die Tauschgegenstände her.

Die ersten Finder des Caches stammen aus Texas und haben ein „Grilled Onion“-Rezept hinterlassen. Außerdem gibt es ein Angel-Knicklicht und eine Münze, die in der Caching-Sprache „Geo-Coin“ genannt wird.
Zurück am Ausgangspunkt in der Stadt überrascht der Trubel der rasenden Autos, der rastlosen Passanten. Ein Ausflug in eine andere Welt geht zu Ende. Unser Logbuch schließt mit den Worten: TFTC („thanks for the cache“).

von Stefanie Fetz
   

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