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 Heidelberg
01.07.2008

"Verbrennt mich!"

Die Büchervernichtung auf dem Universitätsplatz

17. Mai 1933. Auf dem Universitätsplatz in Heidelberg lodert der Scheiterhaufen. Die Nationalsozialistische Studentenschaft verbrennt Bücher. Eine Woche früher waren auf Plätzen in ganz Deutschland bereits Bücher in die Flammen geworfen worden.

17. Mai 1933. Auf dem Universitätsplatz in Heidelberg lodert der Scheiterhaufen. Die Nationalsozialistische Studentenschaft verbrennt Bücher. Eine Woche früher waren auf Plätzen in ganz Deutschland bereits Bücher in die Flammen geworfen worden. In Heidelberg wird das Spektakel wegen organisatorischer Schwierigkeiten um eine Woche verschoben.

Die Bücherverbrennung war von langer Hand geplant. Bereits im April hatte man begonnen, die Bibliotheken und eigenen Haushalte von Literatur zu säubern, die nicht in das nationalsozialistische Konzept passten. Gesammelt wurde fleißig.
Seit am 12. April die „Zwölf Thesen wider dem undeutschen Geiste“ veröffentlicht worden waren, wusste man, wonach man suchte: nach den verschiedensten Werken, angefangen bei marxistischen Schriften und Büchern jüdischer Autoren über Literatur von Brecht und Tucholsky bis hin zu Freud und Kästner. Auf der „Schwarzen Liste“ waren all jene Autoren verzeichnet, deren Schriften dem Feuer übergeben werden sollten. Genehmigt hatte dies das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

„Verbrennt mich!“, forderte Oskar Maria Graf, dessen Bücher nicht auf der „Schwarzen Liste“ auftauchten, sondern zur Lektüre empfohlen wurden. „Diese Unehre habe ich nicht verdient! Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach!“

Politische Schriften auf dem Scheiterhaufen

In Heidelberg wurden politische Schriften verbrannt, nicht die verhasste „schöngeistige Literatur“. Gegen 21.30 Uhr marschierten die nationalsozialistische Studentenschaft, Burschenschaften und andere Hochschulgruppen Richtung Scheiterhaufen auf dem Universitätsplatz. Die Universitätsstadt folgte dem Vorbild Berlins. Es sollte nicht die letzte Bücherverbrennung in Heidelberg im Jahr 1933 bleiben. Es folgten die Scheiterhaufen des 17. Juni und 16. Juli.
Gut hundert Jahre zuvor hatte Heinrich Heine bereits bemerkt: „Das war ein Vorspiel nur. Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Die Universität Heidelberg, die in der Weimarer Republik als Hochburg des demokratischen Geistes bekannt war, wurde bald nach 1933 die „braune Universität“ des Dritten Reiches. Die Verbrennung von Büchern wird auch heute als propagandistisches Mittel verwendet: Bei einem „book-burning“-Gottesdienst in Pittsburgh wurden im März 2001 unter anderem Harry Potter Bücher verbrannt.

von Julia Held
   

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