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 Feuilleton
08.07.2008

Große Nase! Großes Stück?

„Cyrano de Bergerac“ bei den Heidelberger Schlossfestspielen

Die junge Regisseutin Cilli Drexel inszenierte für die Schlossfestspiele die romantische Tragödie „Cyrano de Bergerac“. Am Freitag war furiose Premiere im Heidelberger Schlossgarten. Das Stück ist noch einige Male zu sehen.

Die Degen klirren aneinander. Valvet schlägt nach, Cyrano weicht aus, schlägt eine Finte und entwaffnet virtuos seinen Gegner.

So wild und dramatisch ging es zu bei der Premiere von Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“ bei den Heidelberger Schlossfestspielen am letzten Freitag.

Rostands 1897 uraufgeführtes Stück ist vielen durch die Verfilmung mit Gérard Depardieu bekannt. Bei den Heidelberger Festspielen inszenierte Cilli Drexel eine adaptierte Version, mit vielen Überraschungsmomenten.

Liebesbriefe unter falschem Namen

Die Geschichte des Stücks spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Cyrano de Bergerac, schneidiger Gardeoffizier, romantischer Poet und Besitzer einer verdammt großen Nase, verliebt sich in seine schöne Base Roxanne. Doch wegen seines enormen Riechorgans traut er sich nicht, ihr seine Liebe zu gestehen.

Roxanne hat sich noch dazu in einen Kadetten Cyranos verguckt: den schönen Christian. Der jedoch ist ohne Witz, Charme und Esprit. Cyranos Philantrophie und seine aufrichtige Liebe zu Roxanne bringen ihn dazu, Christian seine Stimme zu leihen – er schreibt Liebesbriefe an Roxanne im Namen seines Schützlings.

Im Sterben enthüllt er seine geheime Liebe


Der Coup gelingt: Roxanne verliebt sich in den jungen Kadetten und heiratet ihn. Noch in der gleichen Nacht jedoch müssen Cyrano und Christian in den Krieg. Trotz all seiner Bemühungen kann Cyrano sein Roxanne gegebenes Versprechen, Christian zu beschützen, nicht halten: Der Schöne fällt in der Schlacht, und Roxanne damit in eine tiefe Trauer. Erst nach Jahren, als Cyrano im Sterben liegt enthüllt er sein Geheimnis. Von einem schweren Holzscheit, in einem Hinterhalt auf seinen Kopf geworfen, tödlich verletzt, besucht er zum letzen Mal die in Trauer im Kloster lebende Base.

Hier nun, als es zu spät ist, erkennt Roxanne: Die Worte, die ihre unsterbliche Liebe entflammten, kamen nicht aus Christians, sie kamen aus Cyranos Mund. Am erschütternd tragischen Ende der Geschichte angekommen, stirbt Cyrano im Beisein Roxannes und seiner engsten Freunde.

Gute Unterhaltung - Puristen wurden enttäuscht

Ein klassischer Stoff mit viel Poesie, Gefühl, Witz und Action ist Rostands „Cyrano“. Mit ihrer modernen Inszenierung der romantischen Tragödie erfreute Regisseurin Drexel das Publikum. Die vielen Gimmicks, Extras und Slapstick-Einlagen kamen beim Großteil des Premieren-Publikums gut an, es gab gehörigen Applaus. Gleichwohl: Eine Handvoll Zuschauer vermisste die Reinheit des Stückes, das es vermag Grenzgänger zu sein, pathetisch ohne kitschig zu werden, heroisch und romantisch, ohne dabei seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Wer einen tief berührenden Abend, wie mit Gérard Depardieu als Cyrano vor dem Fernseher mit einer guten Flasche Wein erwartete, wurde am Freitag enttäuscht. Wer sich unterhalten lassen wollte, bravouröse Fechtszenen und die fantastische Atmosphäre des Heidelberger Schlosses zu erleben gekommen war, kam voll auf seine Kosten.



Weitere Aufführungen: 13., 17., 18. und 29. Juli, sowie am 1., 2., 8. und 9. August, um 20:30 Uhr.

Karten: Telefon: 06221 / 58 200 00, per Internet: www.theaterheidelberg.de

Regie: Cilli Drexel
Dramaturgie: Axel Preuß
Bühne & Kostüme: Hannah Landes
Kämpfe: Klaus Figge
Schauspieler: Benjamin Hille (Cyrano), Joanna Kitzl (Roxanne), Björn Bonn (Christian), Alexander Peutz (Valvet), Klaus Cofalka-Adami, Jens Koch, Hagen von der Lieth, Holger Stockhaus, Simone Mende, Antonia Mohr

von Paul Heesch
   

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