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 Feuilleton
30.06.2008

Wenn Wissen Ware wird

Laughlins Buch über das neue „dunkle Zeitalter“

In seinem Essay „Das Verbrechen der Vernunft. Betrug an der Wissensgesellschaft“ prognostiziert der Physik-Nobelpreisträger Robert B. Laughlin ein aufkommendes „dunkles Zeitalter“. Ein Buch über die Kriminalisierung von Wissen und Forschung.

Der freie Zugang zu Informationen ist das Fundament der Wissensgesellschaft. Moderne Kommunikationsmittel wie das Internet ermöglichen den Zugang zu neuen Erkenntnissen auf dem gesamten Globus. Doch Robert B. Laughlin hält das anbrechende goldene Wissenzeitalter für einen Trugschluss. In seinem Essay „Das Verbrechen der Vernunft. Betrug an der Wissensgesellschaft“ prognostiziert der Physik-Nobelpreisträger sogar ein neues „dunkles Zeitalter“.

In der kommenden Wissensgesellschaft wird es immer weniger um Erkenntnisgewinn, sondern wirtschaftliche Ausbeutung neuer Erkenntnisse gehen. Die Vorboten dieses dunklen Zeitalters sind bereits erkennbar: Unternehmen sichern sich die Rechte an bestimmten Gensequenzen und verhindern weitere Forschungen auf bestimmten Gebieten.

Das freie Wissen ist in Gefahr

Die Politik sieht dieser Entwicklung nicht nur machtlos zu, sondern flankiert sie auch weltweit durch immer tiefgreifendere gesetzliche Maßnahmen. Somit sind auch an den Universitäten die Auswirkungen des „dunklen Zeitalters“ zu spüren. Seit langem steigen die Preise der wissenschaftlichen Fachverlage, die den Hochschulen als Abonnenten von wissenschaftlichen Fachpublikationen so immer höhere Kosten aufbürden.

Wissen ist dabei eine Ware zu werden. Eine Entwicklung, deren Schattenseiten für Laughlin schon jetzt spürbar werden. So legt gerade die Politik auch die rechtlichen Grundlagen, um die freie Wissenschaft und den freien Zugang zum weltweiten Wissen (zum Beispiel durch das Internet) einzuschränken. In Amerika gab es bereits die ersten Prozesse gegen einen Studenten, der sich in seiner Examensarbeit mit dem Bau von Atombomben befasste: Die nationale Sicherheit sei gefährdet gewesen, obwohl sich der Student öffentlich zugänglicher Quellen aus Bibliotheken bediente.

Kriminalisierung von Wissen und Forschung

Laughlin sieht hier einen Präzendenzfall für die Abschottung von Wissen und besonders die Dämonisierung von Wissenschaftlern, die auch auf anderen Gebieten droht: Gefährdet ein Informatiker, der einen Verschlüsselungscode für den Datenaustausch entwickelt, bald auch die nationale Sicherheit? Sind Datentauschprogramme wie Bit-Torrrent bald per se illegal, weil sie die Verbreitung von Filmen und Musik erlauben? Das Verbot der Stammzellenforschung ist nur ein weiteres Minenfeld.

Die politischen, patenrechtlichen oder ethischen Beschränkungen behindern schon heute die freie Wissenvermittlung. All dies sind Fälle, die laut Robert B. Laughlin Schule machen werden und eine beunruhigende Entwicklung aufzeigen: nämlich die zunehmende Kriminalisierung von Wissen und Forschung.

Robert B. Laughlin: „Das Verbrechen der Vernunft. Betrug an der Wissensgesellschaft“, Suhrkamp Verlag, 159 Seiten, ISBN 978-3-518-26002-9, 10 Euro

von Reinhard Lask
   

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