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 Feuilleton
07.03.2008

„Irgendetwas geht seinen Gang!“

Heidelberger Theater inszeniert Samuel Becketts Drama „Endspiel“

„Streu es ihm mitten in die Fresse, damit sich die Menschheit nicht von vorne entwickelt!" Marc Becker verspricht mit seiner Inszenierung von Beckett's Endspiel Drama pur - und hält sein Wort.

„Irgendetwas geht seinen Gang!“ In Endspiel sind das der blinde Hamm (Ronald Funke) und sein Diener Clov (Klaus Cofalka-Adami). Die ziehen das Publikum in ihren Bann und damit in die Welt Samuel Becketts.

In der gibt es nur noch vier Menschen. Clov, Hamm und dessen Erzeuger Nagg und Nell, die Eltern in der Tonne. Außerdem einen Floh, den Clov sofort erledigt, „damit sich die Menschheit nicht von vorne entwickelt.“ Und eine Ratte, die später dran ist oder auch nicht. Dazu Clov: „Wenn ich die Ratte jetzt nicht töte, wird sie sterben.“

So ist das Endspiel. Sechs Lebewesen nach irgendeiner Apokalypse. Die Natur ist hin und alles andere auch, nur das düstere Zimmer Hamms existiert noch. Wünscht sich die Ratte da lieber gleich den Tod? Letztendlich macht es keinen Unterschied: Leben und Tod sind gleich bedeutend, die Protagonisten leben schon längst jenseits davon. Ob Clov die Ratte tötet oder nicht, ist nicht von Relevanz. Denn „das Ende steckt im Anfang.“

Marc Becker inszeniert das Stück auf der Bühne Klaus Teepes minimalistisch, also genau richtig. Denn Beckett braucht keine Effekte. Was bei ihm wirkt, ist die Eindringlichkeit der Situationen, der Worte und der Stille.

Die setzen die Schauspieler hervorragend und zeitgemäß um. Auch die beiden greisen Erzeuger in der Tonne, die von Kindern in wechselnder Besetzung gespielt werden. „Denn in einer Zeit, wo die Kinder Greise sind, gibt es keine Zukunft mehr“, erklärt Becker. Die hat Beckett noch zu Genüge. Endspiel hat nichts an Aktualität verloren, das beweisen die Schauspieler virtuos. Zeit für einen Gang ins Theater also.

von Armin Ulm
   

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