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 Feuilleton
06.05.2008

Gans großer Unfug

„Ein Teil der Gans“: Was soll der Dildo im Hintergrund?

Geht es beim Sankt-Martinsfest um GĂ€nsebraten oder um uneigennĂŒtziges Teilen? Unter welchen Voraussetzungen geben wir heute ĂŒberhaupt noch von unserem hart erkĂ€mpften Wohlstand ab?

Geht es beim Sankt-Martinsfest um GĂ€nsebraten oder um uneigennĂŒtziges Teilen? Unter welchen Voraussetzungen geben wir heute ĂŒberhaupt noch von unserem hart erkĂ€mpften Wohlstand ab? „Ein Teil der Gans“ von Martin Heckmann, seit April im Heidelberger Zwinger-Theater zu sehen, will sich diesen Fragen nĂ€hern und scheitert dabei letztlich an der stĂ€ndigen Destruktion der eigenen Antworten.

Bettina (Ute Baggeröhr) und Victor (Holger Stockhaus) erwarten am Martinsabend Besuch: Bettinas potentiellen neuen Arbeitgeber Amin (Florian Hertweck) mit Ehefrau Tara (Monika Wiedemer). Bettina braucht den Job als Empfangsdame in einem Hotel, um das eigene HĂ€uschen abzubezahlen. Noch bevor der Besuch sich einstellt, taucht jedoch ein dunkelhĂ€utiger Skin vor der TĂŒre auf. „Max“, so stellt er sich vor, behauptet, eine Autopanne gehabt zu haben. Aus Angst vor einer Störung des perfekten Abendessens verbannt ihn Bettina jedoch in den Garten, wo ihn Amin spĂ€ter schließlich entdeckt und doch ins Haus lĂ€sst.

Gesellschaftskritik durch abstrusen Klamauk

Private und gesellschaftliche Konflikte dieser Konstellation liegen auf der Hand: Bettinas verzweifeltes Buhlen um Amins Gunst, die unangenehmen GesprĂ€chspausen beim Abendessen unter Fremden, das Aufeinanderprallen von ĂŒberzogener Gastfreundlichkeit und Fremdenhass. Leider will Regisseurin Mareike Mikat all das und mehr in nur hundert Minuten darstellen. In hektischen Szenenwechseln, heillos ĂŒberladen mit gesellschaftskritischen Anspielungen, wirkt keine Szene in ihrer Symbolik konsequent, kann kein Motiv wirken.

Stattdessen verliert sich das rasante StĂŒck in abstrusem Klamauk: Keine Requisite bleibt ungenutzt; Plastikpistolen, rasche KostĂŒmwechsel, ekstatischer Tanz zu Rapmusik von „Azad“ oder blinde Zerstörung des BĂŒhnenbildes fĂŒhren dazu, dass die angedeuteten Charaktereigenschaften der Figuren und die Aussagen einzelner Szenen immer wieder wie Seifenblasen zerplatzen, ohne dass sich ein schlĂŒssiges Gesamtkonzept entwickelt.

Die Sankt-Martinsfrage

So geht auch die ĂŒberraschende Wendung des StĂŒcks im Feuerwerk der Effekte unter: Amin und Tara stellen sich als Asylbewerber heraus, „Sie haben Ihre Zeit gehabt. Jetzt sind andere dran,“ schreit Amin. Der eben noch gastlich bewirtet wurde, will jetzt „ein StĂŒck vom GlĂŒck“ und macht deutlich, dass sich die Sankt-Martinsfrage heute nicht nach einem StĂŒck GĂ€nsebraten stellt.

Schade, dass im nĂ€chsten Moment die große, blutige PrĂŒgelei zwischenihm und Victor losbricht und niemandem  die Zeit bleibt, diesen Gedanken auch zu Ende zu denken. Dass im Hintergrund des BĂŒhnenbildes zum Schluss ein mannsgroßer Dildo zu entdecken ist, stört da auch nicht mehr.

von Beate Brehm
   

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