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 Interview
06.05.2008

Klimawandel: voll gefährlich

Umweltphysiker Werner Aeschbach-Hertig im Interview

Werner Aeschbach-Hertig ist Mitglied der Arbeitsgruppe ‚ÄěGrundwasser und Pal√§oklima‚Äú. Im ruprecht-Interview erkl√§rt der Klimaforscher, was das Grundwasser √ľber das Klima der letzten Eiszeit aussagen kann.

Seit 2003 lehrt Werner Aeschbach-Hertig am Institut f√ľr Umweltphysik an der Ruprecht-Karls-Universit√§t Heidelberg. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe ‚ÄěGrundwasser und Pal√§oklima‚Äú. Mit Hilfe des Grundwassers kann er das Klima bis zur letzten Eiszeit feststellen.


ruprecht: Können Sie unseren Lesern erläutern, was ein Umweltphysiker macht?

Aeschbach-Hertig: In der Umweltphysik versuchen wir physikalische Prozesse der Umweltsysteme zu verstehen, wie zum Beispiel die Atmosph√§re, Str√∂mungen oder auch aquatische Systeme. Nat√ľrlich ist auch das Klima ein gro√ües Thema f√ľr uns.

Mit Hilfe ihrer Forschung in Grundwasser und S√ľ√üwasserseen k√∂nnen Sie anhand von Edelgasen das Klima der letzten 50.000 Jahre rekonstruieren.

Ja genau. Aus dem Grundwasser k√∂nnen wir von den Edelgasen etwas √ľber das Klima der Vergangenheit lernen. Die Grundw√§sser sind sozusagen ein Archiv. Mit Hilfe der L√∂slichkeit von Edelgasen im Wasser, die je nach Temperatur beim Versickern aus der Bodenluft gel√∂st werden, k√∂nnen wir R√ľckschl√ľsse auf das Klima ziehen: Wenn es k√§lter ist, l√∂sen sich mehr Edelgase.
Da man den Kohlenstoff im Grundwasser mit Hilfe der C14-Methode datieren kann, k√∂nnen wir nur etwa 30.000 bis 40.000 Jahre zur√ľckgehen, also maximal bis zur letzten Eiszeit. Durch diese Methode k√∂nnen wir den Temperaturunterschied von der letzten Eiszeit bis heute feststellen. Vor etwa 20.000 Jahren war das Klima verh√§ltnism√§√üig kalt. Die Jahresdurchschnittstemperatur war ungef√§hr f√ľnf Grad k√§lter als heute. Was wir allerdings weniger gut nachweisen k√∂nnen sind kurzfristige Schwankungen des Klimas.

K√∂nnen Sie mit Hilfe ihrer Forschung R√ľckschl√ľsse f√ľr die Zukunft unseres Planeten ziehen? Das ist die Motivation der Pal√§oklimaforschung.

Man hat ja festgestellt, dass es Ver√§nderungen in der Atmosph√§re gibt, hervorgerufen durch den Aussto√ü von Kohlenstoffdioxid, wof√ľr nat√ľrlich der Mensch verantwortlich ist. Die Klimaforschung zeigt, dass der Kohlenstoffaussto√ü zu einer Erw√§rmung f√ľhrt. Ein Teil dieser Forschung ist nun eben die Pal√§oklimaforschung, also die Erforschung des Klimas der Vergangenheit, die dazu beitr√§gt, das Klima der Gegenwart und der Zukunft besser zu verstehen. Dadurch kann man die menschbedingte Ver√§nderung mit der des Klimas der Vergangenheit vergleichen.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass die Klimaerw√§rmung v√∂llig nat√ľrlich ist, da es in der Vergangenheit ebenfalls √§hnliche Klimaerw√§rmungen gab. Was entgegnen Sie?

Nat√ľrlich ist es richtig, dass es auch schon in der Vergangenheit Klimaerw√§rmungen gab. Es ist aber auch eindeutig so, dass die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Atmosph√§re durch menschliche Einfl√ľsse ver√§ndert wurden. Durch die neueren Forschungen hat man klare Vorstellungen bekommen, wie Treibhausgase wirken. Daher ist es etwas gewagt zu behaupten, die Klimaver√§nderungen w√§ren nat√ľrlich.

Die W√ľsten der Erde, breiten sich immer weiter aus. Gibt es M√∂glichkeiten, die klimabedingte Ausbreitung der W√ľsten aufzuhalten?

Der Wasserkreislauf wird insgesamt angeregt. Es wird also mehr regnen und mehr Wasser verdunsten. In den Subtropen und den trockenen Zonen wird es noch w√§rmer und trockener werden. Au√üer der Reduzierung des CO2- Aussto√ües k√∂nnen wir nicht viel machen, um dem entgegen zu wirken. Die Klimaver√§nderung ist aber nur ein Teil des Problems, der andere Teil ist die √úbernutzung des Wassers. Hierzu tragen nat√ľrlich die wachsende Bev√∂lkerung und die Industrialisierung auch in den trockenen Gebieten bei.

Gibt es ein nachhaltiges Wassermanagement?

Es ist so, dass die Menschheit ‚Äěnur‚Äú 30 Prozent der Wasserressourcen nutzt. Ich glaube, dass es prinzipiell m√∂glich ist, das Wassermanagement zu verbessern. Es gibt Gebiete, in denen Wasser deutlich √ľbernutzt und Grundwasserspeicher geleert, Seen ausgetrocknet werden. Dagegen muss man nat√ľrlich etwas unternehmen.

Thema Trinkwasser. Wird es in Zukunft Kriege um Wasserressourcen geben?

Das ist durchaus denkbar. Ich hoffe nicht, dass es zu Kriegen kommen wird, meistens geht es um regionale Auseinandersetzungen. Nat√ľrlich werden sich solche Konflikte auf die internationale Politik auswirken. Ich hoffe, dass sich die betroffenen L√§nder einigen k√∂nnen und Vertr√§ge aushandeln.

Die Wasserenergie stellt eine nachhaltige emissionsarme Energieform dar, die damit sehr klimafreundlich ist. Gibt es aber nicht einen Konflikt der Energiegewinnung aus Wasserkraft und den noch vorhandenen Wasserressourcen?

Einen direkten Konflikt gibt es eigentlich nicht, weil durch die Energiegewinnung aus Wasserkraft kein Wasser verloren geht. Das Problem der Wasserkraft ist, dass die Energiegewinnung aus dieser Energieform einigermaßen beschränkt ist. Dort wo es Sinn ergibt die Wasserkraft zu nutzen, wie in den Alpen, ist diese Energieform bereits sehr gut ausgebaut.

Herr Aeschbach-Hertig, vielen Dank f√ľr das Gespr√§ch!

von Michael Bachmann
   

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