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 Heidelberg
06.05.2008

Revolutionsidee Mensa

1918. Die ersten Studenten kommen aus dem Krieg nach Hause und strömen direkt in die Hörsäle, hungrig nach Bildung und begierig die erlittenen Grauen zu vergessen. So auch in Heidelberg.

1918. Die ersten Studenten kommen aus dem Krieg nach Hause und strömen direkt in die Hörsäle, hungrig nach Bildung und begierig die erlittenen Grauen zu vergessen. So auch in Heidelberg.

Der Erste Weltkrieg hat die Universitäten in Deutschland entvölkert. Begeistert zogen die Studenten an die Front, desillusioniert kehrten sie zurück. Nun wollen sie Versäumtes nachholen und ein normales Leben führen. Aber Kriegsschulden und Inflation haben den Großteil der einst staatstragenden Mittelschicht verarmen lassen. Die Eltern der Studierenden können das Studium der Jungen kaum finanzieren.

Manch einer kauert sich nach den Seminaren sogar unter die Alte Brücke. Eine umfassende Lösung muss her. Doch Staat und Länder sind pleite, von ihnen ist keine Hilfe zu erwarten. Die Studenten müssen also selbst in Aktion treten und das tun sie, ohne lange zu zögern. Sie rufen kurzerhand die studentische Selbstverwaltung ins Leben. Während Friedrich Ebert versucht die junge Republik zu stabilisieren, entstehen die Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA), das Werkstudententum und die Mensen – letztere in Heidelberg 1921.

Die Arbeit ist weitgehend unpolitisch. Zunächst stehen die meisten Studierenden hinter dem neuen Staat. Im AStA versuchen sie höchstens Gegensatz zwischen Korporationen und Freistudententum zu überwinden. Ansonsten erfordern Not und Studium alle Energie. Das Engagement trägt bald Früchte und die Zustände bessern sich. Obwohl die wirtschaftliche Lage der Republik prekär bleibt, geht es den Kommilitonen besser. Sie profitieren von den neuen Strukturen und haben mehr Zeit für das Studium, aber auch für die Politik.

Ab Mitte der Zwanziger macht sich Unzufriedenheit mit der Weimarer Republik breit. Viele der Studenten und der Dozenten wünschen sich die vermeintliche Größe des Kaiserreichs zurück. Das Denken ist restaurativ und national, jedoch nicht zu Gunsten der Republik. Asten und Studenten politisieren sich. In Heidelberg versteht es jedoch eine kleine republikanische Minderheit lange den AStA vor dem Abfall in den Nationalimus zu retten. Bis 1928.

Zwei Jahre vor dem fulminanten reichsweiten Asta-Wahlsieg der Hochschulgruppe der NSDAP fällt auch der Heidelberger AStA schleichend in nationalsozialistische Hand. Die Errungenschaften der ersten Weimarer Studenten aber bleiben bis heute.

von Armin Ulm
   

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