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28.04.2009

Il divo

4 von 4 Rupis - Gelungene Politsatire

Giulio Andreotti liest in der Pause einer Abstimmungsdebatte im italienischen Parlament in einem Kriminalroman. Urpl√∂tzlich rei√üt er eine Seite aus dem Buch heraus und sagt: ‚ÄěDer M√∂rder sollte gerade entlarvt werden. Ich will es nicht wissen.‚Äú

Giulio Andreotti liest in der Pause einer Abstimmungsdebatte im italienischen Parlament in einem Kriminalroman. Urpl√∂tzlich rei√üt er eine Seite aus dem Buch heraus und sagt: ‚ÄěDer M√∂rder sollte gerade entlarvt werden. Ich will es nicht wissen.‚Äú

Giulio Andreotti war zwischen 1954 und 1992 an 33 italienischen Regierungen beteiligt, er besetzte das Amt des Innen-, Au√üen-, Finanz-, Verteidigungs- und Industrieministers, er wurde sieben Mal zum  Ministerpr√§sidenten gew√§hlt. In Andreottis Amtszeiten fallen politische Morde an Journalisten und Anti-Korruptionaktivisten, er wird verd√§chtigt, Verbindungen zur Mafia zu haben und wurde 2002 sogar zu 24 Jahren Haft verurteilt, ein halbes Jahr sp√§ter wurde das Urteil jedoch aufgehoben.

Er ist einer der umstrittensten Politiker des Landes, undurchschaubar und machtverliebt. Die Italiener nennen ihn den Buckligen, den Beelzebub, den schwarzen Papst. Regisseur Paolo  Sorrentino zeigt ihn nun in der Satire ‚ÄěIl divo‚Äú als Karikatur zwischen Max Schrecks halsloser Nosferatu-Darstellung mit Fledermausohren und Vito Corleone, der sich eine nicht minder von Klischees behafteten Gruppe von Vertrauten um sich schart.Der Film zeigt die letzte Amtszeit des Politikers als  Ministerpr√§sidenten und den Beginn der darauf folgenden Mafiaprozesse, ohne dabei Aufkl√§rungsfilm zu sein. Andreottis Verbindungen zum organisierten Verbrechen sind keineswegs nachgewiesen, im Film wird jedoch mehr als nur angespielt auf Andreottis Mafia-Mitgliedschaft.

Sorrentino beansprucht keinerlei objektive Faktentreue. Er schafft vielmehr ein exakt komponiertes, operettenhaftes und dennoch hochpolitisches Drama, in dem der Zuschauer durchaus Sympathien f√ľr den Hauptdarsteller (Toni Servillo) entwickelt, der einen eigenwilligen, zynischen Humor zeigt. So erz√§hlt er von seinen wiederkehrenden Migr√§ne-Anf√§llen und von dem Arzt, der ihm bei der Musterung noch ein halbes Jahr zu leben gegeben habe: ‚ÄěJahre sp√§ter wollte ich ihn besuchen, um ihm zu sagen, dass er sich geirrt hatte. Aber er war tot.‚Äú

W√§hrend des Films kommt einem der Name des aktuellen Ministerpr√§sidenten Italiens, der seinen Vorg√§nger an Machtjahren bereits √ľberholt hat, in den Sinn. Von diesem k√∂nnte auch ein Ausspruch Giulio Andreottis stammen, der sagte: ‚ÄěWenn ich in die Kirche gehe, spreche ich nicht mit Gott, nur mit dem Priester. Denn Gott geht nicht w√§hlen.‚Äú

von Hannes Zahner
   

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