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 Hochschule
20.01.2009

Die Guten ins Töpfchen ...

... und zehn Prozent mĂĽssen durchfallen

Mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge ändert sich auch die Benotung. In der Ethnologie ist das neue System, nach „Kohorten“ zu bewerten, bereits eingeführt worden. Nun sind auch Magisterstudenten betroffen – und beschweren sich.

Mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge ändert sich auch die Benotung. In der Ethnologie ist das neue System, nach „Kohorten“ zu bewerten, bereits eingeführt worden. Nun sind auch Magisterstudenten betroffen – und beschweren sich.

Durch die Anwendung der sogenannten Kohortentaktik versuchte der Feldherr Marius vor über 2000 Jahren das Heer des römischen Reiches zum Berufsheer zu machen. Mit Kohortentaktik scheinen mittlerweile auch Professoren das studentische Heer schlagen zu wollen.

Ein Beispiel ist Sarah Lauer (Name geändert), die eigentlich nicht zu den schlechtesten Studierenden ihres Jahrgangs gehört. Im vergangenen Sommersemester begann sie jedoch an ihrer Leistungsfähigkeit zu zweifeln. Hatte sie in einer Klausur 62 von 75 möglichen Punkten erreicht, so wurde sie dafür lediglich mit der Note „befriedigend“ entlohnt. Zufriedenstellend fand sie das Ergebnis jedoch keineswegs. Ihr Professor schon. Auf ihren Protest hin bekam sie zur Antwort, dass dies einer Form der Benotung entspreche, die im Zuge der Einführung von Bachelor und Master spätestens ab dem Jahr 2010 gang und gäbe werde.

Im Zusammenhang mit der Notenvergabe sei der Begriff „Kohorten“ laut Kultusministerkonferenz eine relative Benotung nach festgelegter ECTS-Bewertungsskala. Dabei erhalten die besten zehn Prozent die Note A, die folgenden 25 Prozent ein B, 30 Prozent ein C, 25 Prozent ein D und die letzten zehn Prozent die Note E. Diese Noten sind getrennt von den „credit points“ zu betrachten, welche lediglich zur quantitativen Erfassung der erbrachten Leistungen dienen.

Ob die Professoren und Dozenten diese Art von Benotung anwenden möchten, bleibt bisher noch ihnen überlassen. Dr. Stefan Götz, Fachstudienberater in Geowissenschaften, erklärt, warum in seinem Institut die Kohortenbenotung noch nicht eingeführt wurde: „Man benötigt Verlaufsdaten und Erfahrungswerte über mehrere Jahre, um überhaupt einen Leistungsquerschnitt für einen Kurs bilden zu können.“

Ohne die Auswertungen vorheriger Jahrgänge ist die Einteilung in Kohorten bei einer geringen Kursteilnehmerzahl von beispielsweise nur zehn Studenten nicht repräsentativ. Bei der Bewertung nach Kohorten ist außerdem zu bedenken, dass die Note relativ zum Ergebnis der anderen Teilnehmer steht. Handelt es sich also um einen Kurs, der im Durchschnitt sehr gute Leistungen erbringt, ist die Chance groß, für eine eigentlich gute Klausur heruntergestuft zu werden – mit der Begründung, nicht dem allgemeinen Kursniveau zu entsprechen.

Einige Professoren sehen darin einen Vorteil, da man nicht der Willkür der Lehrenden ausgesetzt sei. Studenten hingegen sind erbost über schlechte Noten für eigentlich gute Leistungen. Denn säße man in einem anderen Kurs mit niedrigerem Leistungsniveau, gäbe es bessere Bewertungen.

Bisher ist das Kohortensystem lediglich für die Abschlussnote der Bachelor- und Masterstudierenden obligatorisch. Nach eben dieser Richtlinie wird im Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften verfahren. „Im Abschlusszeugnis gibt es eine Beurteilung nach Kohorten, in den einzelnen Modulen ist das jedoch nicht vorgesehen – auch nicht in der Zukunft“, so Marcus Padberg, Geschäftsführer des Instituts.

Im Fall der Studentin Sarah entschied der Professor über das Bewertungssystem – und Sarah gehörte mit ihren 62 Punkten weder zu den besten zehn noch den nächstbesten 25 Prozent. Somit musste sie sich wohl damit abfinden, dass es selbst für Magisterstudenten kein Entrinnen vor Bachelor und Master gibt.

von Verena La Mela
   

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