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 ProContra
10.11.2009

Umweltzone Heidelberg

Ist die Regulierung des Schadstoffausstoßes durch Plaketten sinnvoll?

Bis Ende des Jahres werden in Heidelberg die Verbotsschilder aufgestellt, die das Weiterfahren ohne Plakette untersagen. Nach St√§dten wie Berlin, Hannover, K√∂ln, Dortmund, Mannheim, Stuttgart, Karlsruhe und anderen deutschen Metropolen f√ľhrt nun auch Heidelberg ab dem 1. Januar 2010 eine Umweltzone ein. Viele Stadtteilen d√ľrfen dann nur noch mit entsprechender Plakette befahren werden. Doch die Meinungen, ob die Umweltzone eine vern√ľnftige richtige L√∂sung ist, klaffen weit auseinander.



JA

Hans-Wolf Zirkwitz
Leiter des Amts f√ľr Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie Heidelberg

Das Ziel der Festsetzung von Umweltzonen, in denen Fahrverbote f√ľr Altfahrzeuge mit hohem Abgasaussto√ü gelten, ist, dass die Erneuerung der Fahrzeugflotte beschleunigt werden soll. Wissenschaftliche Studien und Prognosen belegen, dass es zurzeit auf kommunaler Ebene keine wirksamere Ma√ünahme gibt, um die Luftqualit√§t in den St√§dten zu verbessern und mittelfristig die EU-Grenzwerte f√ľr verkehrsbedingte Luftschadstoffe einzuhalten.

Daher hat das zust√§ndige Regierungspr√§sidium Karlsruhe diese Ma√ünahme mit Zustimmung der Stadt Heidelberg und dem hiesigen Amt f√ľr Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie in den Luftreinhalte- und Aktionsplan f√ľr den Regierungsbezirk Karlsruhe, den Teilplan Heidelberg mit aufgenommen.

Bereits seit dem Jahr 2008 gibt es im Bundesland Baden-W√ľrttemberg aufgrund der √úberschreitung der Feinstaubgrenzwerte in 15 St√§dten eine Umweltzone. In Heidelberg wird die Umweltzone zum gr√∂√üten Teil in den Stadtteilen Handschuhsheim, Neuenheim, Bergheim, Altstadt, Weststadt, S√ľdstadt und Rohrbach eingef√ľhrt werden.

Desweiteren ist anzumerken, dass im gesamten Stadtgebiet Heidelbergs bislang nur messbare Grenzwert√ľberschreitungen bei den Stickstoffdioxid-Emissionen registriert wurden. Stickstoffdioxid stammt zu mehr als 70 Prozent aus verkehrsbedingten Abgasen. Die in der gesamten Europ√§ischen Union bekannten Probleme und Auswirkungen erh√∂hter Stickstoffdioxidemissionen in den St√§dten sind seit vielen Jahren allgemein bekannt. Doch trotzdem sind die Ma√ünahmem√∂glichkeiten, die auf kommunaler Ebene zur nachhaltigen Minderung der aktuellen Feinstaub-Problematik n√∂tig w√§ren, leider bis zum heutigen Datum sehr beschr√§nkt geblieben.

Weitaus hilfreicher und dabei auch viel nachhaltiger w√§re es gewesen, √ľber die rechtzeitige Festsetzung entsprechend strenger EURO-Abgasnormen f√ľr Personen- und Lastkraftwagen die Einhaltung der Grenzwerte f√ľr Feinstaub und Stickstoffdioxid √ľber den Schadstoffaussto√ü zu gew√§hrleisten. Doch weil dies nicht erfolgt ist, sind kommunale Luftreinhaltepl√§ne erst so dringend notwendig geworden.

Aus diesen dargestellten Gr√ľnden unterst√ľtzt das Amt f√ľr Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie die Einf√ľhrung der Umweltzone in Heidelberg und fordert alle auf sich bis zum Ende des Jahres eine Schadstoffplakette zu besorgen.

NEIN

Phillip Kabsch
Leiter der Verkehrsabteilung, ADAC Nordbaden e.V.


Umweltzonen sind unwirksam. Eine Studie des ADAC 2009 hat aufgezeigt, dass sich die Feinstaubbelastung von St√§dten mit Umweltzone und St√§dten ohne Umweltzone nur unwesentlich unterscheidet. Die Zonen sind unverh√§ltnism√§√üig, da es die Betroffenen sehr stark in ihrer Mobilit√§t einschr√§nkt. So d√ľrfen beispielsweise Anwohner in einer Umweltzone nicht mehr in die heimische Garage fahren. Ausnahmegenehmigungen gibt es zwar, doch sind diese teuer, auf ein Jahr befristet und k√∂nnen nicht verl√§ngert werden.

Dagegen steht eine sehr geringe bis gar keine Entlastung der Umwelt in der Umweltzone.Zudem sind Umweltzonen unfair, da selbst an stark befahrenen Hauptstraßen PKWs nur zu neun Prozent am Feinstaub beteiligt sind. Weitaus höhere Anteile haben die Emittentengruppen Hausbrand, Kraftwerk oder Industrie, welche von der Umweltzone nicht betroffen sind. Kohlekraftwerke, die als Hauptverursacher von Feinstaub bekannt sind, werden sogar gerade in Mannheim und Karlsruhe neu gebaut.

Die Zonen sind unn√∂tig, da intelligente Verkehrssteuerung zur Verfl√ľssigung des Verkehrs f√ľhrt und dabei bis zu 25 Prozent Feinstaub einspart. Die momentan von der Stadt durchgef√ľhrte Verbesserung der Gr√ľnen Welle entlastet die Umwelt st√§rker, als es eine Umweltzone w√ľrde. Da jeder PKW, der nicht in die Umweltzone einfahren darf, einen Umweg um die Zone herum nehmen muss, sind die Zonen auch unvern√ľnftig. Dadurch wird die Umwelt zus√§tzlich und unn√∂tig belastet, zumal der Feinstaub zum gr√∂√üten Teil nicht an dem Ort bleibt, wo er entsteht. So wird der zus√§tzliche Feinstaub bei entsprechenden Witterungsverh√§ltnissen in die Umweltzone getragen.

Anschaffung und Installation der Umweltzonen-Schilder und der Umweltplaketten k√∂nnen die Stadt schnell einen sechsstelligen Betrag kosten. In Mannheim sind das rund 200.000 Euro. Das ist unwirtschaftlich, weil diese Ausgaben h√∂her sind, als man √ľber die Einnahmen durch den Verkauf der Plaketten erwirtschaften kann. Somit werden nicht nur die PKW-Fahrer zur Kasse gebeten, sondern auch die Steuerzahler in Heidelberg.

Im √úbrigen betrifft dies nur die Fahrer umweltfreundlicher Fahrzeuge ‚Äď die anderen bekommen keine Plakette. Zurzeit √ľberlegt die EU, die Umweltzonen einheitlich zu gestalten. Dann m√ľssten alle nationalen Zonen entsprechend der EU-Richtlinie angepasst werden, wodurch neue zus√§tzliche Kosten entstehen w√ľrden. Alles in allem hatte die Abwrackpr√§mie einen st√§rkeren Effekt, als jede Umweltzone je haben wird.

von Sandra Malter
   

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