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 Heidelberg
03.05.2010

Auf zum Atom!

Wie sicher ist das Kernkraftwerk Biblis?

Das Kernkraftwerk Biblis. Foto: Armin K√ľbelbeck (CC BY-SA 3.0)

Mit Z√ľgen, Bussen, Pkw und Fahrr√§dern reisten am 24. April tausende Atomkraftgegner nach Biblis. Der 24. Jahrestag des Reaktorunfalls in Tschernobyl diente als Aufh√§nger der bislang gr√∂√üten Protestaktion gegen die mehr als 30 Jahre alten Kraftwerksbl√∂cke. 

Mit der Demo in Ahaus und der 120 Kilometer langen Menschenkette zwischen den Reaktoren Kr√ľmmel und Brunsb√ľttel z√§hlten die Veranstalter rund 150.000 Atomkraftgegner. Die Demonstranten in Biblis bildeten eine vier Kilometer lange Menschenkette rund um das Kraftwerk und lie√üen sich anschlie√üend zu Boden fallen. Dieses ‚ÄěSchausterben‚Äú sollte auf die Gefahren aufmerksam machen, die laut Atomkraftgegnern von den beiden Reaktoren in Biblis ausgehen.

Die Angst vor einer nuklearen Panne ist berechtigt. Das zeigt die Anzahl der meldepflichtigen Vorkommnisse in Biblis. Der Begriff ‚ÄěMeldepflichtiges Ereignis‚Äú umfasst sowohl kleinere Unstimmigkeiten im Betriebsablauf als auch schwere Unf√§lle.

Seit der Inbetriebnahme der beiden Reaktoren 1974 (Biblis A) und 1976 (Biblis B) gab es 805 solcher Ereignisse. Viele davon wurden erst Jahre sp√§ter √∂ffentlich bekannt. F√ľr die meisten St√∂rf√§lle ist menschliches Versagen verantwortlich. Ein besonders spektakul√§rer Zwischenfall f√ľhrte 1994 zum Streit zwischen dem Hessischen und dem Bundesumweltminister √ľber die Stilllegung der Pannen-Reaktoren. Bei Wartungsarbeiten hatten Arbeiter einen Mei√üel in einer Pumpe vergessen, der daraufhin einen Kurzschluss verursachte, wobei der Motor der Hauptk√ľhlmittelpumpe Feuer fing.

Schwere Unf√§lle mit Personensch√§den sind f√ľr Biblis offiziell keine bekannt. Bedenklich scheinen jedoch die auff√§llig gro√üen Anstrengungen, die der Betreiberkonzern RWE unternimmt, um Biblis in der √Ėffentlichkeit als besonders umweltfreundlich und sicher zu pr√§sentieren. Laut Atomkraftgegnern und zahlreichen Sicherheitsexperten k√∂nne davon keine Rede sein. 

In Biblis stehen mittlerweile die beiden √§ltesten Reaktoren, die in Deutschland noch in Betrieb sind. Kritiker verweisen darauf, dass die Anlage zu einer Zeit konzipiert und gebaut wurde, in der keinerlei Schutzma√ünahmen vor Angriffen oder Unf√§llen aus der Luft geplant waren. Soweit bekannt, gab es bis heute keine relevanten Nachr√ľstungen, um das Gel√§nde in dieser Hinsicht abzusichern.

Besonders deutlich wurde diese Sicherheitsl√ľcke im Februar, als ein US-Milit√§rhubschrauber zw√∂lf Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt aus ungekl√§rten Umst√§nden abst√ľrzte. Unklar ist auch, ob der Hubschrauber mit Waffen ausgestattet war und was passiert w√§re, wenn er das Atomkraftwerk getroffen h√§tte. Beide Bl√∂cke sind nur gegen den Absturz kleiner Sportflugzeuge gesch√ľtzt.

von Sara Sentpali
   

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