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 Klecks und Klang
10.05.2011

Abwasser unserer Jugend

Trotz Drogentrips kein neues Trainspotting

Eingelegt im Abwasser unserer Jugend, eingetunkt in einen Haufen umliegender Städte: „Play. Repeat.“ ist eine wuchtig-wilde Collage ĂĽber Jugendliche inmitten des Ruhrgebietes, deren Lebensrhythmus gezeichnet ist von Rave, Drogen, Selbstfindung und Verwirklichung. 

Eingelegt im Abwasser unserer Jugend, eingetunkt in einen Haufen umliegender Städte: „Play. Repeat.“ ist eine wuchtig-wilde Collage über Jugendliche inmitten des Ruhrgebietes, deren Lebensrhythmus gezeichnet ist von Rave, Drogen, Selbstfindung und Verwirklichung.

Die vier Protagonisten Lilly, Marlene, Carlos samt Erzähler stümpern von Party zu Party durch ihr rahmenloses, freies Dasein, irgendwo zwischen Duisburg, Oberhausen und Bochum. Der Schlupfwinkel der Jugendlichen ist die Musik. Sie scheint das einzige Bindeglied zu sein, welches das Gefüge aus Kneipen, Speed, Ranz, Schweiß, Exzessen, Sehnsüchten und Träumen zusammenhält.

Michael Maas, Jahrgang 1987, liefert mit seinem Debut „Play. Repeat“. ein äußerst experimentelles Stück junger zeitgenössischer Literatur. Die lose und bildreiche Verknüpfung von Gedanken ist ein dominantes Stilmittel des Autors, welches dem Leser genügend Raum zur Reflektion offenlegt. In abge-hakten und unvollständigen Sätzen, gehäuften Ellipsen, schrägen Popkulturreferenzen, befremdenden Songtextfetzen und reichlich poetisch anmutenden Seitenhieben verweist Maas auf das monotone Leben einer jugendlichen Subkultur der Großstadt. Laute Beats, Konflikte mit der Polizei, Sozialarbeit, der Kater nach der Party, Ratlosigkeit bei den Eltern. Maas vergleicht die sich im Kreis drehenden Abläufe mit einer Endlosschleife, welche die Antwort auf die Frage nach dem Sinn nur schwer erkennen lässt. Es ist abzusehen, dass die vier Jugendlichen ihre Antworten alleine finden müssen – und dabei verschiedene Wege einschlagen werden.

Insgesamt wirkt das Buch wie eine entschärfte und sprachlich nicht ganz so brillante Version des 1993er Klassikers „Trainspotting“ des schottischen Autors Irvine Welsh. Dennoch lässt sich „Play. Repeat.“ als ein über viele Strecken gelungenes Debut des Jungautors bezeichnen.

Der Oberhausener schneidet in seinem Roman bemerkenswert ernste Themen an. Besonders betonen sollte man die stringente Authentizität, mit welcher Maas den Bruch zwischen Kind- und Erwachsenensein schildert: Geprägt durch Orientierungslosigkeit und den Wunsch nach Halt, durch wen oder was auch immer, ist der Roman eine Odyssee durch den Mikrokosmos einer Jugend auf der Suche nach sich selbst. Die wirren Gedankenkombinationen des Autors, die nicht selten völlig ungeordnet und assoziativ wirken, verstärken dieses Gefühl beträchtlich.

Auch wenn Maas zahlreiche interessante Ideen nicht fertig gedacht hat, es an entscheidenden Momenten an emotionaler Tiefe mangelt und der Schreibstil passagenweise noch etwas unbeholfen wirkt: Zum Denken regt der Stoff allemal an.


Marcel Maas "Play. Repeat.", 128 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt, 17,90 Euro

von Michael Madry
   

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