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 StudiLeben
02.02.2012

Kulinarisch fraglich

Zwei-Klassen-Gesellschaft in Heidelberger Mensen

Auch in der preisgekrönten Marstallmensa ist das Essen keineswegs immer hochwertig, meint unser Autor. / Foto: Katharina Kolvenbach

Hält die Triplex-Mensa was sie verspricht und versorgt die Studenten mit gesunden und günstigen Essen? Emanuel Braun studierte vorher in Rostock, kennt von dort eine andere Mensakultur. Einige kritische Anmerkungen zur allgemeinen Esskultur.

Monströse Kälte, kollektivistisches Charisma, sinngemäßer Nutzbau. Mit diesen Worten kann man die Triplex-Mensa zusammenfassen. Eigenschaften, die auch gut zu dem passen, was darin angeboten wird: Nahrung - oder doch Essen? 

Diese Einrichtung ist aber keine isolierte Insel fernab jeglichen gesellschaftlichen Alltages. Sie spiegelt vielmehr weitverbreitete Einstellungen und Ansichten im Umgang mit Lebensmitteln wieder. Es sei nicht so, „dass wir etwas essen, weil es uns schmeckt“. Sondern: „Weil wir es essen, schmeckt es uns.“ So höre ich von Margot Rößler-Hartmann, Professorin für Ernährungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Nun war ich häufiger in der Triplex und fand dort Zustände vor, die wohl in vielen Mensen Deutschlands üblich sind, für mich jedoch ungewohnt waren. 

Fast immer stehen die Massen der hungrigen Studenten in langen Schlangen. Die am Eingang hängenden Monitore zeigen das Angebot der Essensausgaben. Sie ähneln den Monitoren am Flughafen, die Passagiere zum Billigflug oder zur Business-Chartermaschine lotsen. Soziale Selektion ausgerechnet in einer sozialen Einrichtung. Die Menüs mit ihren Schleuderpreisen stellten mich mit ihrem geschmacklosen Möhrenabrieb und ihrer Pizza, die für jeden Italiener eine Beleidigung wäre, kaum zufrieden. 

Auch Kommilitonen zeigten keine Begeisterung, wenn ich nachfragte, welchen Eindruck sie vom gerade Gegessenen hatten. Am Buffet kommt auch keine Freude auf. Die Kartoffeln schmecken fad, die Salatauswahl könnte größer sein und zu viele Speisen sind paniert und sehen lieblos aus. Einziger Unterschied: Es ist teurer. Ich war nicht selten mit sechs Euro dabei; eine Summe, für die ich auswärtig essen gehen oder selbst kochen kann. Zusammenfassend wäre es wünschenswert, wenn die Mensa einen stärkeren Fokus darauf richtet, was sie in Zukunft gelobt zu tun: die Weiterentwicklung des Speiseangebots in Richtung Bio und Fairtrade. Zu sozial verträglichen Preisen versteht sich. 

Eine Einbindung der Studierenden bei der Erstellung des Speiseangebots wäre eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Zustände. So hatte die Rostocker Mensa vorzügliche Dinnerpartys organisiert und teilweise Gerichte, die dort gut ankamen, in ihr ständiges Programm aufgenommen. 

Neben einer Aufwertung der Essensqualität in der Triplex-Mensa besäße ein solches Projekt auch bildenden Charakter. Sie könnte kulinarisches Urteilsvermögen bilden, Kochtechniken vermitteln oder Qualitätsbewusstsein dienen. Doch dazu sagt Achim Treck: „Wir haben nicht die Absicht, belehrend auf unsere Gäste Einfluss zu nehmen.“ 


Anmerkung der Redaktion: In der Druckausgabe wurde das letzte Zitat irrtümlich Ulrike Leiblein, Leiterin des Studentenwerks Heidelbergs zugeschrieben. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler. Zudem hatte der Autor im Zuge seiner Recherche einen Fragenkatalog an das Studentenwerk geschickt, den wir zur Dokumentation ebenfalls veröffentlichen.

   

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