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13.11.2012

FSK, UNiMUT und der ruprecht

Was sich neckt, hasst sich oft auch ein wenig

Die Odyssee des ruprecht: Das aktuelle B├╝ro in der Albert-Ueberle-Stra├če 3-5 (oben), das in der Hauptstra├če 33 (Mitte, von 2008 bis 2009) und das Domizil bis 2005 in der Lauerstra├če 1.

Seit ihrer Gr├╝ndung macht es sich die ruprecht-Redaktion in den R├Ąumen der Studierendenvertretung gem├╝tlich ÔÇô dort gibt es schlie├člich kostenlos Papier, Computer, bequeme B├╝rom├Âbel und ein mehr oder weniger dichtes Dach ├╝ber dem Kopf. Das ist bequem. Bequem ist es aber auch f├╝r die FSK-Agitatoren: Sie m├╝ssen nur eine Treppe hinunterlaufen, um der stets auf Unabh├Ąngigkeit bedachten Redaktion ihre Sicht der hochschulpolitischen Dinge einzufl├╝stern. Und so gibt wie in jeder Beziehung immer mal wieder Streit und Zwietracht. Einen Blick zur├╝ck in die Zukunft riskieren Harald Nikolaus und Ziad-Emanuel Farag.

Als der ruprecht 1987 als Schlagloch aktiv wurde, nistete man sich gleich beim ÔÇ×KastraÔÇť, dem Vorl├Ąufer der Fachschaftskonferenz (FSK) ein. ÔÇ×Kastra ist da, wo das B├╝romaterial w├ĄchstÔÇť, beschrieb ein damaliger Redakteur das Motiv.

Mitte der 90er Jahre erschlich sich die Redaktion dann durch Gewohnheitsrecht ein kleines B├╝ro unterm Dach: kalt im Winter, hei├č im Sommer, auf einem Stockwerk mit den verschiedensten, Musik machenden, Fisch bratenden, Plakate malenden oder Gras rauchenden Studentengruppen. Stand das Layoutwochende an, breitete man sich in allen R├Ąumen und Stockwerken aus ÔÇô den Fachschaftern und anderen Gruppen blieb oftmals nur die Flucht.

Wenn es mit der Einfl├╝sterung wieder mal nicht klappte, konnte sich die FSK seit 1989 mit dem "UNiMUT" tr├Âsten: Der Druck dieser Zeitung wird im Gegensatz zum komplett anzeigenfinanzierten ruprecht zu 100 Prozent aus FSK-Geldern bezahlt. Beim Unimut gab und gibt es kein flottes Layout oder gepflegte b├╝rgerliche Ausgewogenheit. Im Gegenteil: Man l├Ąsterte gerne ├╝ber das ÔÇ×durchgestylte HochglanzmagazinÔÇť, f├╝r das man den ruprecht hielt ÔÇô w├Ąhrend man sich wohl heimlich w├╝nschte, auch in der eigenen Zeitung mal mehr als zweispaltige Bleiw├╝sten zustande zu bringen.

Und der ruprecht? Der bediente sich verstohlen im Themensfundus des FSK-Hausblatts. Denn bei aller Polemik verstanden die dortigen Agitatoren etwas von Hochschulpolitik, von Hintergr├╝nden, und von universit├Ąren Gremien. Die unterhaltsamen Polemiken des Unimut lieferten Ger├╝chte, die man nur noch nachrecherchieren und dann in eine ged├Ąmpfte Sprache und ein schickes Layout kleiden musste.

Nat├╝rlich musste sich die ruprecht-Redaktion immer wieder von FSK-Aktivisten anh├Âren, dass man so gar nichts von Hochschulpolitik verstehe: Mal legte der ruprecht-Berichterstatter einem Fachschafter die Ablehnung der hei├č ersehenten Verfassten Studierendenschaft in den Mund, mal lie├čen ruprecht-Interviewer den Rektor mit (in FSK-Augen) zu netten Fragen davonkommen.

Endg├╝ltig angespannt wurde das Verh├Ąltnis zwischen FSK und ruprecht aber erst Juli 2005, als man das gemeinsame B├╝ro in der Lauerstra├če verlassen musste. Es fingt damit an, dass der ruprecht in der Lauerstra├če beim Verpacken von vielen, nicht immer wichtigen Dokumenten mithelfen sollte. Diese sollten alle in die neuen R├Ąume mitgenommen werden sollten wie zum Beispiel ein arch├Ąologisch ungemein wertvolles Partyplakat aus dem Jahr 1993. 

Dieses hing in vier Metern H├Âhe und die Redakteure mussten dieses Plakat fein s├Ąuberlich abh├Ąngen und verpacken. Zu allem ├ťberfluss haben die Ruprechler damals bei der ├ťbergabe der Lauerstra├če 1, die heute den sch├Ânen Namen ÔÇ×Hotel Villa am MarstallÔÇť tr├Ągt, einen der f├╝nf bis sechs Schl├╝ssel verloren, ├╝ber die der ruprecht in der Lauerstra├če verf├╝gte.

Zwar war der ruprecht damit nicht allein, rigider sollte dann das Schl├╝sselmanagement seitens der FSK trotzdem werden: Bis heute haben die Redaktionsmitglieder bis heute im Zentralen Fachschaftenb├╝ro (ZFB) in der Albert-├ťberle Stra├če 3-5 nur einen Schl├╝ssel, was die Redaktion damals sehr st├Ârte.

Nach dem Umzug von der Altstadt-Lauerstra├če in die Neuenheimer Ueberlestra├če war dann auch ausgerechnet der Raum, der die Redaktion nutzte, mit Kisten von studentischen Gruppen zugestellt. Die Redaktion fragte, wann die Gruppen denn diese Kisten auspacken. Die FSK gelobte, dies z├╝gig zu tun, doch im Dezember 2005 ÔÇ×sechs Monate nach dem FSK-Umzug an den Philosophenweg war der Gro├če Sitzungssaal noch immer ein UmzugskistenlagerÔÇť, berichtete Reinhard Lask in seiner Glosse in der Ausgabe 99. Scheinbar war in der FSK nicht klar, was wohin ger├Ąumt werden sollte.

Zwischenzeitlich hatte die Redaktion dem FSK-B├╝rodienst vorgeschlagen den betreffenden Gruppen ein Ultimatum zu setzen. Es sollte ein Datum geben, bis wann sie die betreffenden Kisten ausgepackt haben sollen, anderenfalls sollten diese entsorgt werden. Das provozierte einige Fachschaftler. Es gab w├╝tende Mailwechsel, der ruprecht, den man damals nur als Gast empfand, drohte man mit Rausschmiss.

Schlie├člich schritt der damalige FSK-Sozialreferent Hendrik Heinl ein: Er hatte dem ruprecht Recht gegeben und daf├╝r pl├Ądiert, dass die Gruppen ihre Sachen wegr├Ąumen. Einige kamen dem in den ersten zwei Wochen auch nach. ÔÇ×Der Elan hielt leider nicht lange, weshalb wir nach zwei Wochen Funkstille wieder eine Sitzung besuchten und sogar einen Termin zum gemeinsamen R├Ąumen festmachten. Zwei 'Befugte' sollten uns dabei anleiten. Doch an dem Tag tauchte der eine erst nach eineinhalb Stunden auf, teilte mit, dass der andere kurzfristig verhindert sei und ging dann mit dem AK Irgendwas Film schauenÔÇť, wie Reinhard Lask in Ausgabe 99 berichtete.

Weil sich dieses Wegr├Ąumen sehr lange hinzog und in der damaligen FSK aus Sicht der damaligen Redaktion nichts ohne Antr├Ąge, Abstimmungen und Absprachen m├Âglich war, galt die FSK als ├Ąu├čerst b├╝rokratisch, wie der ruprecht auf der letzten Seite in Ausgabe 105 kommentierte: ÔÇ×Die Heidelberger Fachschaften wollen sich in etwa zwei Monaten dazu ├Ąu├čern, wenn alle Antr├Ąge zum Hintern abwischen aus der letzten Woche abgearbeitet wurden.ÔÇť Bereits in Ausgabe 104 spielte mancher Redakteur mit dem Gedanken auszuziehen, wie ein ruprecht-Personal von damals belegt: "gan@aho: WennÔÇÖs mal wieder Stress mit der FSK gibt, kann der ruprecht komplett zu euch umziehen."

Die Beziehung zur FSK wurde ironischerweise gerade in dem Jahr noch schlechter, als der ruprecht den Campus-Presse-Award gewann. Wieso eigentlich? Eigentlich sollten sich doch alle in Heidelberg freuen, dass eine Heidelberger Zeitung als beste Studentenzeitung Deutschlands ausgezeichnet wurde, oder? Man freute sich auch allenthalben.

Doch das Problem war nur eines: Der Preis. Es handelte sich um den Rechner, der noch heute in den Redaktionsr├Ąumen steht und in Anlehnung an die alte Adresse den Namen ÔÇ×LauerÔÇť erhielt. Nur hatte FSKler Friedemann Vogel lange etwas dagegen, dass der ruprecht hier eigene Rechner anschlie├čt. Es folgte ein langes Hin und Her, bis der Rechner schlie├člich doch seinen rechtm├Ą├čigen Platz erhielt. Das Verh├Ąltnis war jedoch wieder schlechter geworden.

Schlie├člich bot 2008 J├╝rgen Gottschling, Gr├╝nder der "Heidelberger Rundschau", dem ruprecht an seine Redaktionsr├Ąume in der Hauptstra├če zu ├╝bernehmen. Allerdings verlangte er f├╝r diese eine Abl├Âse in H├Âhe von 3500 Euro. Angesichts der angespannten Situation kam es dann innerhalb der Redaktion zu einer Kampfabstimmung ├╝ber den Umzug.

F├╝r den Umzug sprach das belastete Verh├Ąltnis zur FSK, die oft verschmutzten R├Ąume, die man sich auch noch mit vielen anderen Gruppen teilen musste. Hinzu kam, dass man nur noch einen Schl├╝ssel besa├č und mit eigenen R├Ąumen unabh├Ąngiger sein konnte. Dagegen sprachen die hohen Umzugskosten: Das Ganze war nur durch mehr Werbung zu finanzieren. Jedoch war die Motivation, mehr Kunden zu werben im Vorfeld nicht gro├č.

Schlie├člich setzte sich innerhalb der Redaktion die Fraktion durch, die f├╝r den Umzug war. Dies lag unter anderem daran, dass MLP Anzeigen im Wert von 6000 Euro versprochen hatte, was die 500 Euro Miete f├╝r die ersten Monate sowie die Abl├Âse gedeckt h├Ątte. Daf├╝r sprach auch, dass man f├╝r die neuen R├Ąumen soviel Schl├╝ssel hatte wie man wollte. Das sollte Arbeitsgemeinschaften der Redaktion erm├Âglichen sich jeden Tag treffen zu k├Ânnen. Im ZFB musste man sich oft mit anderen Gruppen absprechen, um sich nicht gegenseitig zu st├Âren.

Die R├Ąume sollten von allen gleicherma├čen gepflegt werden. Der Umzug verlief diskret. Nach dem Umzug und schon w├Ąhrenddessen zeigten sich jedoch einige Probleme. Die MLP-Anzeigen kamen nicht, da sich herausstellte, dass das Versprechen ein Missverst├Ąndnis war. Zwar kamen die Anzeige dann doch, allerdings waren es weniger und brachten nur einen Teil der kalkulierten 6000 Euro ein.

F├╝rs Layouten selbst stand nur ein 14 Quadratmeter kleiner Raum zur Verf├╝gung. Aus den vielen geplanten AGs wurde nichts. ├ťberhaupt k├╝mmerten sich nur wenige Leute um die R├Ąume. Schlie├člich war der Auszug sogar f├╝r das Hochschulressort von Nachteil. Der mangelnde Kontakt mit den Studentengruppe f├╝hrte dazu, dass irgendwann schlicht die Themen fehlten. Mehr schlecht als recht half es Redakteure in die FSK-Sitzungen zu entsendeten.

W├Ąhrenddessen versuchten einige Redakteure den Kontakt zur FSK zu halten und dem ruprecht im ZFB einen Arbeitsplatz zu sichern. 2009 kam die Wirtschaftskrise hinzu und die Redaktion f├╝rchtete, dass die Werbeeinnahmen einbrechen w├╝rden. Als sogar eine Mieterh├Âhung anstand, machte Reinhard Lask eine legend├Ąre Fehlkalkulation auf, nach der der ruprecht in wenigen Monaten pleite sein sollte. Da sich zudem herausstellte, dass der ehemalige Bereich im ZFB Kistenfrei war und es neue M├Âbel gab ging alles ganz schnell: Der ruprecht zog wieder zur├╝ck. Zudem stellte sich heraus, dass der ruprecht doch nicht pleite war. Trotz Wirtschaftskrise sprudelten die Werbeeinnahmen munter weiter.

Streit mit der FSK gibt es seitdem kaum noch, von kleineren Kabbeleien abgesehen. Dies ist unter anderem darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass einige der Akteure aus der Zeit, als der ruprecht ausgezogen war, auf beiden Seiten inzwischen nicht mehr da waren. Mit dem Unimut hat die FSK ironischerweise mittlerweile mehr Kummer als mit den Rupis:

Dessen Redaktion versteht sich ÔÇô obwohl immer noch von der FSK finanziert ÔÇô nicht mehr als Hausblatt oder Organ der Fachschaften, kennt die Feinheiten der Hochschulpolitik kaum noch und hat auch zum ZFB r├Ąumlich kein Verh├Ąltnis mehr: Man trifft sich lieber ins WGs oder im Marstall.

So muss sich der ruprecht mehr denn je h├╝ten, von der FSK - wohl bald in der neuen Verfassten Studierendenschaft aufgehen wird ÔÇô vereinnahmt zu werden.

von Harald Nikolaus und Ziad-Emanuel Farag
   

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