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13.11.2012

Kapitän im gekaperten Schiff

Ein bisschen seltsam war es schon, die Treppe zu Rektor Eitels BĂĽro zu besteigen, um ihn zur Besetzung des Rektorats zu interviewen. Dieselbe Treppe, die mich drei Tage zuvor zwei gepanzerte Bereitschaftspolizisten herunter geschleppt hatten. 

Die Korridore, die zuvor ein Gewusel zwischen Plenum, Isomatten und Arbeitsgruppen beherbergt hatten, waren fast menschenleer. Die Besetzung des Rektorats im Juni 2009 war eine Protestaktion für mehr Mitbestimmung und Chancengleichheit, ein Teil des bundesweiten Bildungsstreiks. Über 100 Studierende wurden nach 90 Stunden und zähen Verhandlungen auf Anweisung von Rektor Bernhard Eitel von der Polizei aus der Alten Universität herausgetragen.

In der Doppelrolle als Aktivist und Journalist fühlte ich mich nicht ganz wohl. So etwas wie neutrale Berichterstattung gibt es natürlich nur auf dem Papier. Aber in der Redaktion war meine klare Positionierung eher der Ausnahmefall. Als jedoch die Polizei bei der Räumung mit einer „Burg“ aus Kleinbussen die Berichterstattung massiv behinderte, wurden auch besonnenere Redaktionsmitglieder parteiisch.

Das Interview war ernĂĽchternd. Eitel antwortete wie gewohnt. Geschickt griff er Punkte heraus, bei denen er sich mit den Studierenden auf der selben Front gegen die KĂĽrzungen aus Stuttgart sah. Freilich ohne die Rolle als Manager eines auf Wirtschaftsinteressen getrimmten Bildungskonzerns zu reflektieren. Wenn immer er drohte, seine Positionen gegen mehr Mitbestimmung etwas drastischer zu formulieren, pfiff ihn seine Pressesprecherin zurĂĽck.

Für den ruprecht haben wir das Interview stark zusammen gekürzt und ein Gespräch mit einem Besetzer auf dieselbe Seite gesetzt. Mit einem passenden Foto, das beide Diskussionspartner während der Besetzung zeigt. So fand ein Dialog der Streitparteien zumindest in der Zeitung statt.

Im Nachhinein erinnere ich mich an die Besetzung als ein Ringen um Medienberichterstattung. Als die Proteste im Herbst 2009 mit den „Uni brennt“ Aktionen nach Österreich überschwappten, kommunizierten die Streikenden dort viel geschickter mit interaktiven Webformaten. Was ich beim ruprecht in den letzten Semestern sehe, geht in dieselbe Richtung, aber da gibt es noch Spielraum.


Johannes Eberenz war von 2008 bis 2009 beim ruprecht. FĂĽr seinen Master ist er nach Berlin gezogen.

von Johannes Eberenz
   

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