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13.11.2012

Was besser nicht hätte erscheinen sollen

In dieser Geschichte treten auf: Ein Bestsellerautor und seine Anwälte, ein Graswurzelrevolutionär mit viel Zeit und später noch mehr Stress, eine ebenfalls ziemlich gestresste ruprecht-Redaktion, der „Spiegel“ und die Jungs vom Verfassungsschutz.

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Sommer 1996. Ich hatte Lothar-Günther Buchheim in seinem Haus am Starnberger See interviewt. Der inzwischen verstorbene Buchheim war Maler, Kunstsammler und Autor, unter anderem des Romans „Das Boot“ – bekannt geworden durch die Kinoverfilmung mit Herbert Grönemeyer in der Rolle der Figur, die Züge des jungen Kriegsberichterstatters Buchheim trägt.

Vor allem war der Mann aber als Querkopf bekannt und bei vielen Journalisten als schwierig verschrien – in Fernsehauftritten war er oft aufbrausend, Fragen beantwortete er monologisch oder mit Fäkalsprache oder beides. Aber er hatte etwas zu erzählen, besaß jede Menge Ausstrahlung, und ließ sich keinem Lager zuordnen. Ein reizvoller Interviewpartner.

Streng genommen passt die Erzählung nicht ins Muster dieser Serie. Buchheim ist nie persönlich gegen den ruprecht oder mich vorgegangen. Das waren seine Anwälte. Es stand auch nicht zur Debatte, die Veröffentlichung eines Artikels zu verhindern. Allerdings sah es ein paar Tage so aus, als würde uns eine Redaktions-Durchsuchung und Unterlassungs- und Beleidigungsklagen ins Haus stehen.

„Jäger im Weltmeer“ hieß das Buch, das Anlass des Interviews war. Buchheim hatte es 1943, in seiner Zeit als Kriegsberichterstatter, veröffentlicht, und 53 Jahre später, um den Vorwurf zu entkräften, damals im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie gehandelt zu haben. Interview, Begleittext und Leserbriefe sind heute noch im Archiv auf ruprecht.de zu finden, Ausgabe 45 und 46.

 Es ging bei „Jäger im Weltmeer“ vor allem um die historische Einordnung des Buchs, nicht um literarische Qualitäten, aber auch – und das war mir zum Zeitpunkt des Interviews nicht bewusst – um ein Thema und einen Protagonisten, die in der damals besonders heftig gefĂĽhrten Debatte um politische Korrektheit Signalwirkung hatten.

Mein erster Einseiter! Mit einem Bestseller-Autor! Im Feuilleton! Ich muss nach Erscheinen des Interviews selbst wie ein Ausrufezeichen durch die Uni gelaufen sein, so stolz war ich. Ernüchternd dann der Moment ein paar Monate später, als ich ins Zentrale Fachschaftenbüro, damals noch in der Lauerstraße 1, ins ruprecht-Büro ging, und mir dort jemand von der Fachschaftskonferenz (FSK) aufgeregt ausrichtete: „Der Verfassungsschutz war da und hat Dich gesucht!“

Bald nach der Veröffentlichung der Ausgabe mit dem Interview waren merkwürdige Dinge vor der Marstall-Mensa vorgefallen. Jemand verteilte Flugblätter mit dem Titel „ruprechts“. Der Jemand hieß „Reinhard“ – seinen vollständigen Namen habe ich nie erfahren – und schrieb für „Redaktion Süd der Graswurzelrevolution“, die wohl in eine Telefonzelle passte.

Im Flugblatt war zu lesen, dass der ruprecht Nazi-Ideologen salonfähig mache und verwies auf mein Interview. Ein „offener Brief“ erreichte die Redaktion, mit ähnlichem Inhalt, nur länger, ebenfalls die FSK und andere. Wie langatmig das Ding war, hatte ich lange verdrängt.

Ich frage mich, ob ich den Brief auch noch persönlich abgetippt habe, denn schließlich war das vor Zeiten von allgemeiner Verwendung von E-Mail und OCR-Scannern, und das Original des Briefs habe ich als mehrere Seiten langes Schreibmaschinen-Typoskript in Erinnerung.

Muss ich wohl, denn in gekĂĽrzter – aber immer noch lächerlich langer – Form druckte die geschockte Redaktion den Brief in der nächsten Ausgabe ab, neben Stellungnahmen von mir und einem anderen Redakteur, den der „Revolutionär“ in seiner Abhandlung attackiert hatte. Mein Interviewpartner Buchheim war am schlimmsten betroffen – ihn bezeichnete „Reinhard“ als Nazi und Mörder. 

Blöderweise wurde aus Platzgründen die deutliche Überschrift „Leserbriefe“ einer kleineren zuliebe ausgetauscht. Einen Satz wie „Die hier vorgebrachten Meinungen spiegeln nicht die der Redaktion wider“ hatten wir nicht vorgesehen.

Diese Ausgabe geriet wohl in die Hände der Anwälte Lothar-Günther Buchheims. Die hielten sich nicht lang mit Lesen auf, sahen „Buchheim“ und „Nazi“ und zeigten den ruprecht an. Das Missverständnis ließ sich bald klären – trotz allem war die Textstelle ja als Leserbrief zu identifizieren. Und so erhielt nicht der ruprecht, sondern „Reinhard“ Besuch von den Verfassungsschützern und ein Anruf bei Lothar-Günther Buchheim sorgte dafür, dass seine Anwälte auf den eigentlichen Verursacher zielten.

Tatsächlich kam es also zu einer Durchsuchung der „Redaktion Süd“, über die wiederum Der Spiegel so berichtete, dass es für viele so klang, als sei auch die ruprecht-Redaktion betroffen. Damals konnte ich nicht besonders viel Mitleid für „Reinhard“, dem ich nie persönlich begegnet bin, aufbringen. Aber es fiel mir auf, wie heftig die Reaktion der Behörden auf diese aus heutiger Sicht ziemlich kruden Abhandlungen ausfiel.

Hatten die nur auf einen Anlass gewartet, den hochzunehmen, und den „Fall Buchheim“ instrumentalisiert? Vielleicht wäre es also dieses eine Mal besser gewesen, wir hätten auf die Veröffentlichung von etwas einfach verzichtet: Den „Leserbrief“ des graswurzelnden Reinhard. Das hätte uns und besonders ihm einiges erspart.


Gabriel Neumann war von 1996 bis 2009 beim ruprecht. Heute arbeitet er Lektor und Reisejournalist.

von Gabriel A. Neumann
   

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