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 ProContra
13.05.2013

Bachelor auch fĂĽr Lehrer? Ja.

Ist es sinnvoll, das Lehramtsstudium auf das Bachelor/Master-System umzustellen?

Foto: Pädagogische Hochschule Heidelberg.

Sollten alle angehenden Lehrer zunächst ein fachspezifisches Bachelorstudium absolvieren und erst im Master die Option bekommen, sich für den Lehrerberuf zu entscheiden? Annelie Wellensiek, die Rektorin der PH Heidelberg, spricht sich für die Umstellung aus.

Die gestellte Frage ist unbedingt berechtigt – und sie muss mit „Ja“ beantwortet werden, sofern wichtige Bedingungen erfüllt sind.

Mit der Einführung der gestuften Studienstruktur in Bachelor-, Master- und Promotionsphase (Bologna-Prozess) wurde die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden im europäischen Hochschulraum intendiert.

Trotz deutlicher Fehlentwicklungen in der Umsetzung, die seither korrigiert wurden oder noch werden, war die Idee hinter Bologna schon immer die richtige: Studierenden die Möglichkeit zu geben, entweder schneller ins Berufsleben zu kommen oder sich in der Master-Phase nochmal neu zu orientieren. Dies vergrößert die Spielräume bei der Ausgestaltung individueller Lebensentwürfe und inhaltlicher Schwerpunktsetzungen. Bei der Anwendung dieser Idee auf die Lehrerbildung können wir von bisherigen Erfahrungen profitieren und diese nutzen, um Fehler wie zu hohe Prüfungslasten und Verschulung der Studiengänge zu vermeiden. Die studierbare Gestaltung der neuen Lehramtsstudiengänge muss höchste Priorität genießen – dies ist die erste Bedingung für mein „Ja“.

Die zweite Bedingung liegt in der konsequenten Nutzung von Bachelor und Master für eine Qualitätssteigerung des Lehramtsstudiums. Dazu bedarf es einer größtmöglichen Polyvalenz im Bachelor sowie einer ausgeprägten berufsspezifischen Professionalisierung im Master. Die Entscheidung für den Lehrerberuf fällt heute mit 17 oder 18 Jahren. Nur die wenigsten realisieren in diesem Alter, welche Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag gestellt werden. Durch polyvalente Bachelor-Studiengänge, die auch andere Berufsfelder oder den Weg zum Master im Fach offenhalten, wird diese – höchst relevante! – Entscheidung zumindest um drei Jahre nach hinten verschoben. Wer sich jedoch für einen Lehramts-Master entscheidet, der wird dann auch gezielt auf den Beruf vorbereitet. Neben einer hohen wissenschaftlichen Expertise betrifft dies vor allem die didaktischen Fähigkeiten zur Vermittlung des eigenen Fachs, aber auch allgemeinpädagogisches Wissen sowie Diagnostik und Förder-Kompetenzen. Das konsequente Zusammendenken dieser Kompetenzbereiche in einem stark professionsorientierten Master ist eine weitere Voraussetzung für mein „Ja“ auf die oben genannte Frage.

Institutionell kann eine solche neu aufgestellte Lehrerbildung nur in einer verbindlichen Kooperation zwischen Universität und Pädagogischer Hochschule verortet werden, die die spezifischen Stärken beider Hochschularten eng miteinander verschränkt. Aus einer nicht nur oberflächlichen, sondern bis hinein in die Planung einzelner Lehrveranstaltungen reichenden Kooperation zwischen beiden Institutionen lässt sich eine gezielt auf den Lehrerberuf zugeschnittene, professionsorientierte Fachwissenschaft entwickeln, die zum Leitbild und Kern der angestrebten Qualitätssteigerung konturiert werden muss.

Wenn dies gelingt, dann kann meines Erachtens die obige Frage nur mit einem eindeutigen „Ja!“ beantwortet werden. Die Ausbildung von exzellenten Lehrpersonen für unsere Kinder ist zu wichtig, um die dafür erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten zwischen verschiedenen Institutionen aufzuteilen, ohne die offensichtlichen Synergiepotentiale entschlossen auszuschöpfen. Und welcher Lehrerbildungsstandort sollte dafür besser geeignet sein als Heidelberg? Hier werden sämtliche Lehramtsstudiengänge in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander angeboten, mit rund 8000 Studierenden an PH und Universität handelt es sich um den größten Lehrerbildungsstandort in Baden-Württemberg, beide Hochschulen konnten in den letzten Jahren durch starke Konzepte in bundesweiten Wettbewerben überzeugen (Exzellenzinitiative, Qualitätspakt Lehre). Wo, wenn nicht hier, sollten die genannten Bedingungen erfüllbar sein? Bachelor und Master sind die richtige Struktur für eine fachlich exzellente Lehrerbildung mit starker Professionsorientierung – Heidelberg wird dies in den nächsten Jahren beweisen.

 

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